H
Lv 7
H fragte in GesundheitSonstiges - Gesundheit · vor 2 Wochen

Warum laesst das Gesetz es zu, dass Arbeitgeber im Krankheitsfall ein Attest schon am ersten Krankheitstag verlangen duerfen?

Wenn dieses auch nicht die Regel ist, so ist es doch statthaft, dass der Arbeitgeber ein Attest schon am ersten Krankheitstag verlangen darf. Wenn sich ein Arbeitnehmer nicht an diese vertraglich vereinbarte Regel haelt, darf eine Abmahnung erfolgen.

Nur - wie soll das in manchen Faellen praktisch vor sich gehen? Angenommen, man hat abends etwas "Falsches" gegessen und leidet am naechsten Tag unter Brechdurchfall, oder nur unter Durchfall. Wie verlaesst man mit diesen Symtomen das Haus? Wenn es ganz dumm laeuft, und es passiert an einem Mittwoch, kann man ja i.d.R. noch nicht einmal nachmittags zum Arzt gehen, wenn man nicht mehr so oft auf's Klo muss. Was, wenn man nachts Fieber bekommt? Sich damit dann morgens hinter's Steuer setzen? 

Manche Arbeitgeber verlangen sogar, das Attest schon am ersten Krankheitstag im Orginal zu erhalten, und ein Arbeitnehmer muss nachweisen, warum ihm dieses nicht moeglich war. Geht's noch?

10 Antworten

Bewertung
  • Anonym
    vor 2 Wochen
    Beste Antwort

    Das Gesetz lässt es zu, weil dies so im Entgeltfortzahlungsgesetz und dort im § 5 geregelt ist.

    Und ja, der Arbeitgeber kann tatsächlich die Vorlage der ärztlichen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung am ersten Tag der Erkrankung verlangen, wenn dies so im Arbeitsvertrag vereinbart wurde.

    BAG (Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 14. November 2012 – 5 AZR 886/11 -)

    Fazit: Die Entscheidung ist mit dem Gesetzestext gut zu begründen, führt aber dazu, dass der ohnehin kranke Arbeitnehmer nun – an Stelle – sich um seine Genesung zu kümmern, um die Vorlage/ Übersendung der ärztlichen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung an den Arbeitgeber kümmern muss. Dies wird auch nicht immer sofort möglich sein; z.B. bei schweren Erkrankungen oder wenn gar nicht die Möglichkeit der Übersendung/ Vorlage besteht. Dem Arbeitnehmer kann man ein verspätetes Einreichen aber nur vorwerfen, wenn er dabei schuldhaft gehandelt hat. Dies ist nicht der Fall, wenn der Arbeitnehmer z.B. aufgrund der Erkrankung dazu nicht in der Lage war und auch keine andere Person damit beauftragen konnte.

    Und was kaum jemand weiß: wenn während der AU das Arbeitsverhältnis beendet wird, gibt es durchaus die Möglichkeit, dass der Arbeitgeber dennoch die Lohnfortzahlung über die Beendigung des Arbeitsverhältnisses hinaus bis zu insgesamt sechs Wochen fortführen muss.

  • vor 2 Wochen

    Finde ich völlig legitim wenn ein Arbeitgeber eine Krankmeldung ab dem ersten Krankheitstag verlangt (ich kenne das gar nicht anders und ganz persönlich finde ich sollte das eine Selbstverständlichkeit sein) - denn: macht er das nicht wird er vermutlich zu oft beschissen, denn es gibt schon Arbeitnehmer die das dann ausnutzen würden und sich auch ohne Krankheitsgrund einfach mal das Wochenende verlängern.

    Das aber die Krankmeldung schon am Ausstellungstag beim Arbeitgeber ist dass ist nicht möglich wenn man nicht direkt neben der Arbeit wohnt und die Krankmeldung mit der Post schicken muss. Wenn man dem Arbeitgeber sagt dass die Krankmeldung per Post unterwegs ist sollte das reichen. Ansonsten könnte man die Krankmeldung vor dem Abschicken scannen oder abfotografieren und sie per Mail an den AG schicken.

    Was den Durchfall angeht, das verstehe ich, da kann man nicht zum Arzt wenn man nur auf dem Pott hockt aber man kann seinen Hausarzt anrufen ihn davon unterrichten und ihn bitten schon für den Tag einen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung auszustellen, man könnte auch den Hausarzt bitten die AU direkt an den Arbeitgeber zu schicken wenn man niemanden hat der die abholen kann um sie selber zu verschicken.

    Und natürlich kann man auch Mittwochnachmittag zum Arzt gehen wenn man z.B. Spätschicht hat und man Mittags ganz plötzlich krank wird -> dafür gibt es einen Notdienst.

    "Was, wenn man nachts Fieber bekommt? Sich damit dann morgens hinter's Steuer setzen?" Wenn man selber nicht in der Lage ist zu fahren dann muss man jemanden bitten der einen fahren kann oder man fährt mit dem Bus. Wenn alle Stricke reißen muss man sich eben ein Taxi rufen!

    • H
      Lv 7
      vor 2 WochenMelden

      @aeneass: sei doch froh, wenn's fuer mich nicht reicht. Dann kannst du deinen Muell wieder abladen. Scheinst ja sonst nichts zu tun zu haben:)). 

  • Willy
    Lv 6
    vor 2 Wochen

    Es ist heute üblich und sehr verbreitet, ab dem ersten Fehltag auch eine AU-Bescheinigung beizubringen, es ist Klausel in vielen Arbeitsverträgen.

    Hier geht es NICHT darum, dass die AU am ersten Tag auf dem Schreibtisch der Lohnbuchhaltung liegen muss sondern, dass die AU ab dem ersten Krankheitstag ärztlich dokumentiert werden muss.

    Sollte der Hausarzt die Erkrankung erst am nächsten Tag feststellen weil seine Praxis am Vortag nicht geöffnet war, kann und wird er auch 1 Tag rückwirkend entsprechend dokumentieren.

    Ist der Hausarzt länger nicht erreichbar, muss der Patient zur diensthabenden Vertretung oder einem anderen Arzt freier Wahl gehen. In D gibt es für dringende Fälle den ärztlichen Bereitschaftsdienst, der unter der Nr. 116117 durchgehend erreichbar ist.

    Im Sinne der Gleichbehandlung aller Mitarbeiter sollte die Pflicht zur Beibringung der AU-Bescheinigung bereits ab dem ersten Tag der Erkrankung auch für Alle gelten.

    Wer die AU-Bescheinigung z.B. per E-Mail an den Arbeitgeber versendet und gleichzeitig das Originaldokument per Post abschickt, hat bereits seine Verpflichtungen erfüllt.

    Entscheidend ist, dass der Arbeitgeber am ersten Fehltag spätestens zu Beginn der üblichen Arbeitszeit telefonisch informiert werden muss (E-Mail, Whatsapp oder SMS reicht nicht).

    Das ist zumutbar und sinnvoll.

  • vor 2 Wochen

    Ich halte es für unwahrscheinlich, dass ein Arbeitgeber verlangen kann, dass man das Attest bereits am ersten Krankheitstag beim Arbeitgeber im Original verlegen muss. Damit kommt der Arbeitgeber vor Gericht nicht mit durch.

    Er kann verlangen , dass man es gleich am ersten Tag in den Briefkasten steckt. Aber mehr auch nicht.

    Wenn mein Mann zu seiner Firma fahren müsste, um das Attest dort sofort abzugeben, wäre es für ihn eine Tagesreise. Also für ihn ist es im Krankheitsfall völlig unmöglich.

    Mein Sohn und mein Mann holen sie immer schon am ersten Krankheitstag ein Attest. Das wird von deren  Firmen so erwartet. Aber falls er wirklich einmal nicht geht, wird es auch toleriert.( Bei guter Begründung)

    Wenn man seinen festen Hausarzt hat, dann lässt sich dieses Problem mit einem telefonschen Anruf bei ihm oftmals  lösen.(Bei unserem Hausarzt ist es so.)

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  • vor 2 Wochen

    Früher musste eine Krankschreibung am dritten Krankheitstag beim Arbeitgeber sein.

  • vor 2 Wochen

    In der Regel ist am 3. Krankheitstag ein Attest vorzulegen. Soweit ich weiß braucht ein Arbeitgeber schon triftige Gründe, um von dieser Regelung abzuweichen, beispielsweise weil der Verdacht im Raum steht, der Mitarbeiter würde häufiger "krank feiern", also seine Krankheit nur simulieren. Stell dir mal vor ein Supermarktmitarbeiter (6-Tage-Woche) würde sich jeden Montag krank melden, am Mittwoch wieder einen Tag arbeiten gehen und am Donnerstag wieder krank feiern (Samstag wieder arbeiten). Dann hätte er von den 6 Tagen für die er bezahlt wird nur 2 Tage gearbeitet ohne je ein Attest vorzeigen zu müssen. Ist doch klar, dass ein Arbeitgeber dafür auch ein Mittel braucht, um sowas zu verhindern. Wenn derjenige ab dem ersten Tag ein Attest braucht, dann findet er bestimmt den ein oder anderen Arzt, der ihn trotzdem sofort krank schreibt, aber irgendwann fällt das ja auf und dann kann ggfs. eine Untersuchung beim Betriebsarzt oder Amtsarzt fällig werden.

    Zu deinen Beispielen oben: Bist du so krank, dass du das Haus nicht verlassen kannst, dann kannst du einen ärztlichen Notdienst anrufen. Diese Ärzte sind auch außerhalb regulärer Öffnungszeiten verfügbar und machen oft auch Hausbesuche (Telefonnummer 116117 ohne Vorwahl in jedem deutschen Orts- und Mobilfunknetz).

    Wenn du Mittwoch nachmittags krank wirst und nicht zum Arzt kannst, weil er geschlossen hat, dann ist das unkritisch. Hast du an diesem Tag schon deinen Dienst angetreten und bist nach hause gefahren, weil du krank bist, dann zählt erst der nächste Tag als erster Krankheitstag.

    Wenn der Arbeitgeber auch die Vorlage des Attests bereits am ersten Tag verlangt, kann man ggfs. vereinbaren, das Attest als Handyfoto oder Scan vorab per E-Mail zu übersenden und das Original nachzureichen (da die Post so schnell ja nicht liefern kann). Da muss man dann mit dem Chef kommunizieren, um eine individuelle Lösung zu finden.

    Ich finde die Regelungen völlig legitim, dass man einem offensichtlichen Wiederholungstäter auch Grenzen aufzeigen kann.

  • Mike
    Lv 7
    vor 2 Wochen

    Das hat die Arbeitgeberlobby bewirkt. Ich würde den Arbeitgeber anrufen, ihn mitteilen, dass man im Bett liege und auf den Hausbesuch des Hausarztes warte und seine Arbeitsunfähigbescheinigung  erwarte.

  • Das ist was ganz Normales in Deutschland.

    Wenn ich krank bin muss ich zum Arzt. Das ist ganz normal.

    Und wenn ich berufstätig bin, bin ich verpflichtet den Chef anzurufen, dass ich nicht kommen kann.

    Die Krankmeldung muss man nicht unbedingt noch gleich nach dem Arztbesuch vorbeibringen.

    Man kann es auch entweder per Post zum Chef bringen.

    Oder wer moderne Technik zuhause hat und einen Scanner bzw. Drucker, der kann die AUB bzw. Attest dem Chef auch zuschicken.

    Das Original nimmt man halt dann mit, sobald man wieder fit ist.

    Da gibt es keine Ausreden. Es gibt Ärzte, die machen auch Hausbesuche.

    Und wenn man einigermaßen eine Familie hat, die zu einem steht kann der Angehörige auch die AUB bzw. Attest in die Firma bringen.

    Bei mir lief das bis jetzt immer prima, obwohl ich selten krank werde.

    Aber es kam schon mal vor, dass entweder meine Tochter oder mein Ehemann die AUB zum Chef brachten.

    Seitdem wir einen Scanner-Drucker haben erspart sich ihnen der Weg. Da geht die AUB bzw. Attest direkt zum Chef.

    Denn mein Chef schimpfte mal einen Azubi: Wer Geld für ein iphone von knapp 1000 Euro hat, der kann sich einen Scanner auch für 60 Euro leisten.

    Und Recht hat er.

    Von daher bitte nicht böse auf das "deutsche System" sein.

    Der Chef muss auch wissen, was mit seinen Arbeitern los ist und den Arbeitsplan eventuell umändern falls man ausfällt.

    Inanna

  • M
    Lv 6
    vor 2 Wochen

    Das ist inzwischen gängige Praxis, allerdings gibt es auch Betriebe und Tarifverträge wo man für kurze Erkrankungen bis zu 3 Tagen kein Attest benötigt.

  • vor 2 Wochen

    Das wird nicht oft vorkommen. Höchstens, wenn der Verdacht besteht, dass man "blau" macht.

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