Warum reisst Plexiglas bei Alkoholkontakt nach dem flammen ?

Wenn man Plexiglas fräst und kalt poliert, kann man es nachher mit Alkohol oder Spiritus reinigen.

Wenn man Plexiglas aber in der direkten Flamme anschmilzt, damit es eine schön durchsichtige Fläche gibt, dann reisst es sobald es mit Alkohol oder Spiritus in Kontakt kommt.

Aber warum, was hat sich durch das Erwärmen verändert ?

Und kann man es verhindern ? (Falls mal ein Spritzer darauf gelangen sollte)

2 Antworten

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  • ZworK
    Lv 4
    vor 8 Jahren
    Beste Antwort

    Also zunächst mal sollte man PMMA, wenn überhaupt, nur mit Ethanol-Lösungen geringer Konzentration reinigen (< 25 %), oder besser ganz darauf verzichten. Beim Verwenden von Spiritus kommt es bei einer einmaligen Reinigung vielleicht nicht unbedingt sofort zu einem sichtbaren Angriff. Bei längerer Einwirkzeit oder wiederholter Anwendung wird das Material aber relativ schnell Schaden nehmen. Zur streifenfreien Reinigung von PMMA und vielen anderen Kunststoffen ist eine 50:50-Lösung aus Isopropanol und destiliertem Wasser wesentlich besser geeignet. Ich reinige damit z.B. meinen TFT-Monitor.

    PMMA in einer direkten Flamme aufzuschmelzen, sollte man ebenfalls generell unterlassen, da es sich bei Temperaturen von 130 - 300°C zu zersetzen beginnt. Die sind in einer offenen Flamme schnell erreicht.

    Das, was Du da beobachtet hast, ist wahrscheinlich Spannungsrisskorrosion. [http://www.youtube.com/watch?v=uJ6-jRo1izY

    Youtube thumbnail

    &playnext=1&list=PLEE55EACB10823D90&feature=results_video] Diese kommt im von Dir geschilderten Fall dadurch zustande, dass sich das Bauteil ungleichmäßig schnell abkühlt und so Spannungen im Gefüge entstehen. Greift nun der Alkohol das Material an, wird es geschwächt und bricht irgendwann unter seiner Eigenspannung. Das kann mitunter erstaunlich schnell geschehen.

    Um das zu verhindern, wäre es natürlich optimal, das Bauteil gar nicht erst mit entsprechenden Medien in Kontakt kommen zu lassen. Ist das gar nicht möglich, sollte darauf geachtet werden, dass man großartige mechanische Belastungen grundsätzlich vermeidet und auch die im Material herrschenden Eigenspannungen so weit wie möglich reduziert. Hier bietet sich eine Wärmebehandlungsmethode - das Tempern - an, bei dem das Bauteil über einen gewissen Zeitraum bei einer bestimmten Temperatur ausgelagert und dann langsam abgekühlt wird. [http://de.wikipedia.org/wiki/Tempern]

  • vor 8 Jahren

    Wenn ich mich richtig erinnere, ist PMMA (so heißt Plexi Glas richtig) ein Kunststoff. Die beschriebene Reaktion hat nicht mit dem Alkohol zu tun. Vielmehr denke ich, es ist eine Frage der Bauteildicke.

    Durch Erwärmung dehnen sich Kunststoffe sehr stark aus. Wenn Du PMMA einseitig erwärmst, um es an der Oberfläche in den plastischen Zustand zu versetzen, sollt ein gerader Stab zu "Banane" werden.

    Durch die geringe Wärmeleitfähigkeit, erwärmt sich der Kunststoff langsam, kühlt aber auch nur langsam wieder ab. Alkohol oder Spiritus entziehen aber relativ schnell die Wärme, einerseits durch Ausgleich der Temperaturen, andererseits durch die Verdampfung. Dadurch entstehen Spannungen, die natürlichen, eingefrorene Spannungen bei Produktion verstärken. Das Bauteil bricht!

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