Anonym
Anonym fragte in Gesellschaft & KulturSprachen · vor 7 Jahren

Wann spricht man von "orwellscher Begriffsverwirrung" ?

Mich würde interessieren wie es überhaupt zu dem Namen "orwellscher" kam.

3 Antworten

Bewertung
  • Anonym
    vor 7 Jahren
    Beste Antwort

    In Orwells Film "1984" verfügt ein despotischer, kontrollwahnsinniger Überwachungsstaat nicht nur über die Bürger, sondern auch über deren Sprache - "Neusprech" sollte durch Umbiegung oder Einengung von Bedeutungen die Bürger daran hindern auf intelligente und damit kritische, aufrührerische Gedanken zu kommen --- Was red ich lange, lies bitte nach bei Wiki, die Kurzfassung dort hatt das Wichtigste zu dem Thema in vorbildlicher Prägnanz.

  • vor 7 Jahren

    Ein beispiel dazu ist das von Orwell in "1984" beschriebene "Ministerium für Überfluß". Dort werden die Lebensmittelkarten gedruckt. Es herrscht also keineswegs "Uberfluß" im Land sondern Lebensmittel müssen aufgrund ihrer Knappheit rationiert werden.

    Es gibt auch ein "Liebesministerium" in Orwells Roman. Es sorgt aber nicht etwa für den liebevollen Umgang der Menschen untereinander, sondern „lehrt“ den Abtrünnigen und Andersdenkenden mittels grausamster Foltermethoden den „Großen Bruder“ zu lieben.

    Im „Ministerium für Wahrheit“ dagegen werden Geschichte und Gegenwart dem gegenwärtigen politischen System angepasst. Wahr ist, was der „Große Bruder“ als wahr definiert. Dem Volk wird klargemacht, dass alles immer schon so war, wie es jetzt ist. Anderslautendes wird aus Zeitschriften und Büchern und damit aus dem Gedächtnis der Menschen systematisch entfernt.

    Dies ist die Orwellsche Sprachverwirrung.

    Ein Beispiel aus der realen Welt wäre der sogenannte "Verteidigungsminister" der, zb. in den USA, auch Angriffskriege planen lässt.

    Früher wurde dieses Amt treffender "Kriegsminister" genannt. Aber das klingt ja achso agressiv...

    Ein weiteres Beispiel wäre auch der sogenannte "Gutmensch".

    Die Bezeichnung für Einzelpersonen oder Personengruppen („Gutmenschentum“), denen ihr Attribut „Gutsein“ oder „Gutseinwollen“ als übertrieben moralisierendes oder naives Verhalten unterstellt wird bzw. die durch ebendieses Verhalten der Allgemeinheit Schaden zufügen, also durchaus keine "Guten" Menschen sind.

    Ah, pro, pos, "Gutmenschentum";

    Zur Orwellschen Begriffsverwirrung gehören auch Wörter deren Bedeutung im allgemeinen Sprachgebrauch eine andere geworden ist.

    So war das Wort "Ausländer" in meiner Jugend einfach eine Bezeichnung für jemanden der aus einem anderen Land kam. Dies konnte ein Besucher, Sommergast, Geschäftspartner, usw. also eine durchaus positiv wahrgenommene Person sein.

    Durch die naive "Ausländerreinpolitik" des obengenannten Gutmenschentums hatt sich das Wort "Ausländer" (ebenso wie "Südländer") in die Bezeichnung für etwas negatives gewandelt.

  • lowtec
    Lv 5
    vor 7 Jahren

    Praktisch kann man ja immer eine Begriffsverwirrung anprangern wenn man nur irgendwie kontra geben will. Die Orwellsche dann eben in der Thematik Philosophie und Wissenschaft, Soziales oä.

    Orwell hat ja eigentlich nur auf krasse Art gezeigt dass Begriffe auch anders festsetztt werden können als deren ursprüngliche Bedeutung. Im wirklichen Leben kann man das auch beobachten wie zB:

    Heutzutage kann der Mensch fliegen, kann er ja nicht. Oder: Wir beherschen die Welt. oh oh also Weltherschaft. Welt? Oder: Sicherheit, was ist denn sicher? Doch wohl keine Versicherung, Recht, Ordnung?...Viele Begriffe ändern sich. Es dauert etwas.

    Quelle(n): gr
  • vor 7 Jahren

    Das bezieht sich auf seinen Roman "1984"

    https://docs.google.com/viewer?a=v&q=cache:PFK5K9G...

    Und jetzt ab im Spaziergalopp.

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