Anonym
Anonym fragte in Unterhaltung & MusikUmfragen & Abstimmungen · vor 9 Jahren

Was ist dran, daß in Japan sogenannte "Wegwerfarbeiter" nach Fukushima geschickt wurden?

In einem WDR-Bericht wurde gerade geschildert, dass es sich bei den 50 in Fukushima verbliebenen Helfern nicht unbedingt um Freiwillige handelt.

Anscheinend hat der AKW-Betreiber Tepco schon in der Vergangenheit Obdachlose und Sozialfälle von der Straße aufgelesen und im AKW für die "dreckigen" Jobs eingesetzt. Nach einer gewissen Verstrahlung sollen diese Leute dann wieder entlassen worden sein.

Falls das stimmt, dann mindert das nicht den Heldenmut der Fukushima-Helfer. Aber es wirft ein schlimmes Licht auf die Praktiken der Betreiber.

Kriminell, zynisch, menschenverachtend - diese Worte fallen mir da ein. Anscheinend fehlt in Japan ein Günter Wallraff.

Ausgeliehen aus einem anderen Forum!

http://www.forumla.de/f-politik-gesellschaft-92/t-...

10 Antworten

Bewertung
  • vor 9 Jahren
    Beste Antwort

    Ich verachte, und wie ich wieder mal sehe, völlig zu Recht, die westlichen Hollywood-Romantiker. Die hierzulande ganz besonders verbreitet sind. Und Sakura, wenn du tatsächlich vier Jahre in Japan gelebt hast, bist du anscheinend mit einer Augenbinde und Ohrschützern dort rumgelaufen.

    In der Tat. Vor der Aktien- und Immobilienpleite Mitte der 90er Jahre in Japan (Bubble-Crash), bei der tausende Firmen pleite gingen, beziehungsweise hunderttausende Arbeiter und Angestellte entlassen wurden, waren japanische Firmen so etwas wie Familie für die Angestellten. Man(n) blieb sein Leben lang bei einer Firma, darauf hatte jeder, der sich an die Regeln hielt, sozusagen ein verbrieftes Recht. Das hieß aber auch – schon damals – dass die Angestellten unbezahlte Überstunden machten, im Jahr ca. 4 Tage Urlaub hatten (den sie meist zusammen mit allen anderen Angestellten in firmeneigenen Urlaubseinrichtungen verbringen mussten) und sich dem überaus streng hierarchischen System entweder vollkommen unterwarfen oder unter Verlust ihres „Gesichts“ entlassen wurden. Nach dem Platzen der Spekulations-Blase gab es dann in Japan hunderttausende Arbeits- bzw. in der Folge Obdachlose. Arbeits- oder gar obdachlos zu sein gilt als große Schande in Japan. Japaner übersehen geflissentlich derartige „Verlierer“, buchstäblich könnte man sagen. Folgerichtig besaß und besitzt Japan nicht das mindeste soziale Netzwerk, um dergleichen Menschen aufzufangen.

    Seit dieser Zeit gibt es die sogenannten „Wegwerfarbeiter“. Die sich aus dem riesigen Arbeits- und Obdachlosen-Pool rekrutieren. Und vor allem von Firmen für Arbeiten angeheuert werden, die gesundheitsgefährlich oder anderweitig bedenklich sind. Tepco (der Betreiber von Fukushima) arbeitet seit Jahren mit Wegwerfarbeitern. (Dieser Begriff ist in Japan im Übrigen ein absolut gängiger.)

    Und was das unbedingt nötige „Expertentum“ für die momentanen Arbeiten in Fukushima betrifft; es ist traurig, ja, wirklich peinlich wie unbedarft hier einige vor sich hin fabulieren. Niemand muss Experte sein, um im Dunkeln verstrahlten Schutt wegzuräumen und eine auf einer Rolle befindliche Stromleitung zu den Anschlüssen zu transportieren und dort anzuklemmen. Um mehr geht es nicht.

    „Die tapferen Fünfzig!“

    Japans Medien jedenfalls meiden diesen im Westen erfundenen – Menschen verachtenden – Unfug. Einige wenige konstatieren grämlich, die Angelegenheit erinnere stark an die Kamikaze-Flieger aus dem zweiten Weltkrieg, ein Kapitel, das bis heute nicht aufgearbeitet wurde, da sich nach dem Krieg – für Japan damals eine Ungeheuerlichkeit - immer mehr Angehörige meldeten, um die Vorwürfe ihrer sehr jungen Söhne, die von „Befehlen“ in ihren Abschiedsbriefen schrieben, erklärt zu bekommen.

    Also, wenn ihr dieser Menschen schon gedenken wollt, tut es in rücksichtsvollem Mitleid. Sie haben sich ihr Schicksal nicht ausgesucht und wollten ganz sicher nicht sterben. Schon gar nicht auf eine solch schauderhafte Weise.

  • Sakura
    Lv 4
    vor 9 Jahren

    Ich hab 4 Jahre in Japan gelebt. Ich bilde mir nicht ein, die Japaner wirklich zu verstehen, aber was du schilderst, kann ich mir nicht vorstellen. Dazu steht hier für Japan und die Welt zuviel auf dem Spiel. Bei den 50 verbliebenen "Helfern" handelt es sich um Techniker und mit Sicherheit nicht um Obdachlose oder Sozialfälle, denn die Arbeit, die momentan in den AKWen verrichtet wird, erfordert Spezialwissen und kann nicht von Laien ausgeführt werden - die Gefahr eines nicht gut zu machenden Fehlers wäre zu groß.

    Daneben kommt ein zweiter Punkt ins Spiel: Firmen haben in Japan für die Angestellten eine ganz andere Funktion als bei uns. Sie sind eine Art zweite Familie und es gibt sehr viele Arbeiter und Angestellte, die bleiben ihr Leben lang bei einer Firma. Und diese Firmen fühlen sich auch für ihre Angestellten verantwortlich. Ich glaube, die Entscheidung, im AKW Fukushima zu helfen, war bei allen eine freiwillige Entscheidung und ein Commitment, das man sehr oft bei Japanern findet: Selbstaufgabe zum Wohl des größeren Ganzen, der Firma und der japanischen Gesellschaft. Die Japaner, die solche Aufgaben übernehmen, sind stolz darauf, sich für ihr Land einsetzen zu können. Sie stellen dafür die eigene Sicherheit hinten an.

  • vor 9 Jahren

    Mein Gott, wenn das wahr ist, muss ich echt Kotzen vor Wut! Das da überhaupt "Arbeiter" verheizt werden! Man sollte die Manager und Politiker, die für diese Kraftwerke verantwortlich sind an die Reaktoren schicken!!!

  • pikas
    Lv 7
    vor 9 Jahren

    Ich hab den Bericht auch gesehen und kann mir das überhaupt nicht vorstellen.

    Sollen wirklich unausgebildete Hilfskräfte Japan vor dem Supergau bewahren?

    Irgendwie absurd, aber so erscheint ja vieles da.

    Wahrscheinlich hat man da irgendwelche Informationen aus dem Zusammenhang gegriffen und etwas falsch verstanden.

    Aber zum Betrieb eines AKW`s braucht man mit Sicherheit überall auf der Welt ausgebildete Fachkräfte.

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  • vor 9 Jahren

    Diesem gierigen Betreibergesindel ist doch überhaupt nichts zu schlecht. Selber haben sich diese miesen, feigen Hosensche i ß e r irgendwo verkrochen, obwohl die jetzt da reingeschickt werden müßten. In ihre *ach so sicheren AKWs*.

  • Monika
    Lv 5
    vor 9 Jahren

    Wenn sowas in Deutschland passiert, werden dann die Hartz 4-Empfänger von der Artge dort hingeschickt zum arbeiten.

    Da bekommt man wirklich Angst bei dem Gedanken.

  • Anonym
    vor 9 Jahren

    Ich hoffe nicht!

    Als ich das mit 50 Arbeitern gelesen habe, bekam ich einen Gänsehaut.

    Es sollen noch weitere Arbeiter sich freiwillig dafür gemeldet haben.

    Na ja diese 'namenlosen' Helden sind wirklich Menschen mit Mut und Herz. So was würde ich mir niemals zutrauen!

    Das mit Firma ist die zweite Familie' habe ich auch in der Schule gelernt. Also es stand in Büchern, und ich glaube nicht, dass sie lügen.

    Nachdenklich ist aber auch, dass der Leiter von Tepco gemütlich in seinem Büro sitzt.

    Und es wird schlimmer: Er wusste von den Sicherheitsrisiken und hat damals nichts dagegen unternommen!

    Wegen so was leiden Menschen, opfern sich das Leben und werden bestrahlt!

    Echt Arg!

  • Anonym
    vor 9 Jahren

    Ja, klar deshalb fragen sie um Roboter, weil sie soviele Wegwerf Leute haben

    http://de.news.yahoo.com/26/20110317/tot-japan-erb...

    Da hat wohl die Meinungsbildung von Springer zugeschlagen. ;)

  • Das hab ich gestern auch in den ARD Nachrichten gehört. Wirft ein verdammt schlechtes Licht auf die Betreiber.

  • Kapaun
    Lv 7
    vor 9 Jahren

    Ich will mal freundlich sein und annehmen, dass da irgendein hirntoter Redakteurszombie irgendwas nicht richtig verstanden hat. Andernfalls müsste man nämlich Böswilligkeit unterstellen. Aber fünf Sekunden Nachdenken hätten ihm schon sagen müssen, dass das nicht sein kann. Das sind Techniker und Ingenieure.

    Übrigens: Ausgerechnet Wallraff als Beispiel für Moral und Anstand zu nennen, ist ein bisschen kühn...

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