Ist der Begriff "Würde" zusehends zu einer Worthülse verkommen oder habt ihr nicht die Erfahrung ...?

gemacht, dass der Verlust der Würde

- sei es nun direkt

den Mensch,

die Arbeit oder

das Sterben etc.betreffend -

vorangeschritten ist ?

12 Antworten

Bewertung
  • vor 10 Jahren
    Beste Antwort

    Einerseits ja: Im "Spiegel" oder der "Süddeutschen" war kürzlich ein Essay zu finden, der die stark vertretene Ansicht stützte, dass der Begriff der (Menschen-) Würde ein Hindernis sei, dass den wahren Blick auf menschenrechtliche Probleme verstelle.

    Zudem wird der Begriff m. E: in der politischen Diskussion inflationär gebraucht.

    Andererseits nein: Im Rahmen der rekonstruktiven Ethik, also der philosophischen Frage, welche moralischen Urteile immer wieder gefällt und begründet werdern, finden sich (im Rahmen der Philosophiegeschichte sehr unterschiedliche) immer wieder Rückgriffe auf die moralische Legitimationsfigur der Menschenwürde. Einfacher ausgedrückt: Viele Menschen haben eine Vorstellung von menschlicher Würde, auf die sie ihre ethischen Überzeugungen fußen lassen.

    Ihre Vorstellung vom Umgang mit Toten, Hirntoten, Embryos werden nicht mit Menschenrechten oder anderen Konzepten begründet, sondern mit dem Verweis auf Menschenwürde.

    Nachtrag: Mein bisheriger Beitrag bezog sich auf den Begriff der Menschenwürde, also der Würde, die jedem Menschen durch sein Menschsein zukommt.

    [Ich distanziere mich von der Verwendung diese Yahoo-Clever-Antwort auf anderen Seiten, insbesondere ohne Quellenangabe.]

    Aber natürlich gibt es andere Würdebegriffe: Viele von uns sind der Ansicht, dass einem älteren Menschen eine spezifische Würde zukommt.

    Es gibt auch die Würde, die aus der Biographie resultiert.

    Dann gibt es die Würde, die einem Menschen durch sein Amt zukommt, vielleicht nicht nur dann, wenn er es ausübt.

    Es ist schwer zu sagen, welche Würde einem Menschen durch sein Amt zustehst und welche Würde allein dem Amt gebührt. Das erklärt vielleicht auch, warum Herr Köhler die Verletzung der Würde seines Amtes (zumindest sah er es so) durch die Verletzung der Würde seines Amtes (durch Hinschmeißen) ahndete.

    Abschließend der Versuch einer engeren Antwort an Deine Frage: Würde ist nicht nur noch eine Worthülse, im Gegenteil. Wenn wir Deine Beispiele betrachten:

    -Über die Würde des Menschens: s. o.

    -Über die Würde des Menschen angesichts der Arbeit: Hier ist die Bewertung ambivalent: Einerseits ist der Einzelne in der heutigen arbeitsteiligen Welt ein Rädchen im Getriebe, so auch leicht ersetzbar. Aber: Der Umgang mit Mitarbeitern ist m. E. in den letzten Jahrzehnten eher respektvoller geworden. Ich bezweifle, dass in den 1960ern ein Angestellter so würdevoll behandelt wurde wie heute. Unbeachtet ist die Würde der Nicht-Arbeitenden.

    -Über die Würde der Sterbenden: Hier hat der radikalste Paradigmenwechsel stattgefunden. Bei diesem und anderen Themen der Biophilosophie (Reproduktion, Klonierung, Sterbehilfe) gibt es zwar Strömungen die abseits des Würdebegriffs argumentieren. Aber die heftigsten Diskussionen kreisen nach meiner Beobachtung gerade darum, was der Würde (des Einzelnen, der Menschheit, der Schöpfung usw) am ehesten gerecht wird.

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  • vor 10 Jahren

    Würde war schon immer ein Konstrukt, um authentische Gefühle und ehrliches Handeln zu unterdrücken.

    würde die "Würde" lebensnahen Umgang miteinander fördern, wäre es keine Würde mehr, sondern ein natürlicher, liebevoller und verantwortungsbewußter Umgang miteinander.

    Das die Menschheit die Umwelt (den Planeten, Fauna und Flora), die Mitmenschen und jeder Einzelne sich selbst so sieht, wie es kurzfristig zweckmäßig erscheint ohne langfristig das Große und Ganze zu beachten und die tiefverwurzelten Traumen aufzuarbeiten.

    So treiben wir die Spirale der Selbstvernichtung weiter voran, ohne sie wahr haben zu wollen.

    LG Jo

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  • vor 10 Jahren

    Hallo,

    Würde sind Werte, kommen also auch als wertvoll ins Gespräch. Gesellschaftliche Werte sind so unterschiedlich angelegt, weil wir ja werte frei sein wollen. Der Mensch hat immer eine Würde und wenn sie nur als Lebewesen Mensch zu sehen ist. Arbeit hat wieder eine ganz andere Bewertung, denn hier spielt auch die Intelligenz und der Verdienst ein Rolle. Das Sterben als letzte Würde, die man dann abgibt, ist eine Achtung, vor dem voran gegangenen Leben des Anderen, oder vor dem Leben selbst . Viele Dinge sind aber auch unwürdig und die brauchen wir gar nicht lange zu suchen. Sieht man sich in den Altenheimen um, in denen Menschen leben, wenn sie keine materiellen Werte mehr für die Gesellschaft darstellen, dann haben wir hier einen riesigen Punkt. Denn hier darf jeder Wehrdienstverweigerer, jeder Ein Euro Jobber, die intimsten Bereiche säubern, was viele Alte als unwürdig ansehen müssen, denn sie sind von ihrer Soziologie her, abgewertet worden.

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  • vor 10 Jahren

    ich verteidige meine würde jeden tag.

    wer keine würde hat, dem wurde sie genommen. man kann sich auch wehren.das heißt im umkehrschluss aber nicht, dass genommene würde einen mangel an verteidigung darstellt.

    bei kranken und schwachen und so.

    obwohl... logisch betrachtet doch.

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  • vor 10 Jahren

    ja sogar mehr als eine worthuelse -- bedauerlich

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  • mackie
    Lv 6
    vor 10 Jahren

    Ich denke schon. "Die Würde des Menschen ist unantastbar" - das ist doch nur noch eine Farce. Leider.

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  • vor 10 Jahren

    Der Begriff "Würde" wird heutzutage nur noch selten in den Mund genommen.

    Aber es gibt sie doch. Man wird durch Grenzsituationen des Lebens darauf gestroßen, nämlich da, wo es sich um den Verlust der Würde dreht.

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  • vor 10 Jahren

    Ja, ich fürchte, da triffst du voll ins Schwarze.

    Da steht im Gesetzbuch: Die Würde eines Menschen ist unantastbar............aber das ist nur ein Papierkonstrukt.

    Die Würde der Menschen wird täglich aufs Neue angegriffen. Wenn man Jugendliche fragt, was diese "Würde" eigentlich bedeutet, dann wissen viele nicht einmal den Begriff zu erklären.

    "Würde" wird durch das "Recht des Stärkeren" ersetzt.

    Aber ich denke nicht, dass man das hinnehmen muss.

    Die Würde des Menschen gehört zu den Grundrechten und man kann sich einfach durchsetzen. Schade, dass man etwas selbstverständliches "durchboxen" muss, aber wenn es nicht anders geht, dann ist Kampf angesagt.

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  • vor 10 Jahren

    In Würde seine Bürde tragen,

    und nicht klagen

    oder verzagen....

    Vielleicht haben die Leute keine Bürde mehr zu tragen und nix zu klagen, drum brauchen sie auch keine Würde mehr.

    Ist doch schön, wenns ihnen gut geht ;)

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  • savage
    Lv 7
    vor 10 Jahren

    ich glaube nicht, dass die würde ausgestorben ist. aber mit dem wort können wahrscheinlich viele junge leute nichts mehr anfangen. also wenn ich jetzt meine kinder fragen würde, was "altehrwürdig" bedeutet, dann käme da nicht viel. bei "glaubwürdig", "vertrauenswürdig", vielleicht schon mehr.

    was deine beispiele betrifft, stimmt das natürlich schon. ich hatte auch schon mal einen 1-euro-job. ist sehr interessant gewesen. da wird einem echt fast die würde geklaut. was das sterben betrifft, denke ich aber, dass es besser ist, nachdem es die patientenverfügungen gibt. ansonsten muss halt jeder selber gucken, dass er seinen kopf über wasser hält. würde hat ja was mit mit wert zu tun. und wer sich selber was wert ist, taucht auch immer wieder auf...

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