Wie wurde die Machtübertragung am 30. Januar 1933 an Hitler in Deutschland begangen ?

Update:

Bitte eine nicht zu kurze aber auch nicht zu lange Erklärung :)

4 Antworten

Bewertung
  • Fanus
    Lv 6
    vor 1 Jahrzehnt
    Beste Antwort

    Der Begriff Machtergreifung bezeichnet den längeren Prozess, durch den die NSDAP die Demokratie beseitigt und ihre Herrschaft gefestigt hat; häufig wird er aber auch nur auf Adolf Hitlers Ernennung zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 bezogen.

    Der Ausdruck „Machtergreifung“ suggeriert, dass die NSDAP dem frei gewählten Parlament und dem von diesem eingesetzten Rechtsstaat die Macht gegen deren Willen und ausschließlich mit illegalen Mitteln entzogen habe. Tatsächlich jedoch hatte die NSDAP eine nicht unerhebliche Unterstützung in der Bevölkerung und verfügte über größeren parlamentarischen Rückhalt als vorherige Weimarer Regierungen, vor allem die Präsidialkabinette. Der Regierungsantritt Hitlers war dem Recht der Weimarer Republik nach legal, ebenso weitere Elemente der Machtergreifung wie die Neuwahl am 5. März.

    Außerdem waren auch konservative Politiker und Parteien an der Übertragung der Macht an Hitler beteiligt, und zwar durch die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler durch Reichspräsident Paul von Hindenburg, durch die Beteiligung an der von Hitler geführten Regierung, durch die Verordnungen des Reichspräsidenten und durch die Zustimmung zum 4. Ermächtigungsgesetz im Reichstag 1933. Der Antikommunismus war Anfang 1933 das verbindende Glied der Parteien der Rechten (NSDAP, DNVP) und der Parteien der Mitte (Zentrum, DVP, DStP).

    Viele Historiker sprechen daher statt von einer Machtergreifung von einer „Machtübertragung“[1]. Seit den 1980er Jahren hat sich teilweise die neutralere Bezeichnung „Machtübergabe“ statt des als propagandistisch belastet und irreführend geltenden Ausdrucks „Machtergreifung“ durchgesetzt.

    Allerdings nutzte die NSDAP zur Durchsetzung ihrer Herrschaft auch nichtlegale Mittel wie die zahlreichen Terrormaßnahmen, mit denen politische Gegner eingeschüchtert, verhaftet oder ermordet wurden. Offenkundigster Verfassungsbruch war Hitlers Selbsternennung zum Führer und Reichskanzler einen Tag vor dem Tod Hindenburgs 1934.

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  • Feder
    Lv 5
    vor 1 Jahrzehnt

    Hallo Erdal,

    http://www.focus.de/wissen/bildung/Geschichte/nati...

    http://de.wikipedia.org/wiki/Zeit_des_Nationalsozi...

    http://www.arbeiterbewegung-ev.de/Sozialdemokratis...

    http://www.mainz1933-1945.de/fileadmin/Rheinhessen...

    Im November des Jahres 1932 mussten die Deutschen erneut zur Wahl gehen – und die bislang hohe Wahlbeteiligung, von der die NSDAP profitiert hatte, ging zurück. Ebenso wie der Stimmenanteil NSDAP. Es war ein Rückschlag für Hitler: 33,1 Prozent, d.h. über zwei Millionen Stimmen weniger als im Juli. Und dennoch: Es sollte der Auftakt werden für den Weg ins Reichskanzleramt. Hindenburg bevorzugte nach wie vor ein Kabinett unter Papen, entschied sich umständehalber für seine Zweitlösung Schleicher – der am 28. Januar 1933 ebenfalls zum Rücktritt gezwungen war. Zwischen beiden Männern entbrannte ein Konkurrenzkampf. Papen, der unbedingt zurück an die Macht wollte, realisierte, dass eine Regierung ohne Hitler dauerhaft keine Akzeptanz finden würde. Er wollte zurück in die Regierung – und sei es als Vizekanzler. Auch Teile der Industrie, unter anderem Fritz Thyssen, hatten sich indes für eine Reichskanzlerschaft Hitlers ausgesprochen, aber erst der Einsatz seines engsten Beraterkreises machte es möglich, dass der Reichspräsident seine ablehnende Haltung aufgab.

    Anders als es die NS-Propaganda glauben machen wollte, war es also keine „Machtergreifung“ des künftigen „Führers“. Es war, wie es der der Historiker Heinrich-August Winkler bezeichnet, eine „Auslieferung des Staates“. Die DNVP glaubte dennoch an eine ernsthafte Koalition mit den Nationalsozialisten, die sich bescheiden gaben mit „nur“ zwei Ministerämtern, darunter jedoch das mächtige Amt des Reichsinnenministers. Dass Hitler direkt nach dem 30. Januar alle Schaltzentralen des Staates mit seinen Gefolgsleuten besetzen ließ und keinesfalls an einer Koalition interessiert war, verkannten Politiker wie Papen und auch der Sohn des Reichpräsidenten, Otto von Hindenburg, genauso wie der Medienmogul und Chef der rechten DNVP, Alfred Hugenberg, der gegenüber Hindenburg beschwichtigte, er wolle Hitler „einrahmen“. Von einem „Einrahmen“ konnte schon bald keine Rede mehr sein. Als Fanal ist das Bild zu werten, das die Nationalsozialisten am Abend des 30. Januar an Deutschland und an die Welt aussendeten: Mit Fackeln zogen sie durch das Herz der Hauptstadt, hinterließen ein martialisches Bild des Kampfes. Nach ihrem Wahlsieg im März schalteten sie die Demokratie, den Pluralismus, die Menschlichkeit aus. Was folgte, war Gleichschaltung – und das größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte.

    Jene Eliten, vor allem aus der Großindustrie, bereiteten Hitler unter anderem den Boden: indirekt, indem sie die Kräfte mit Geldzuwendungen förderten, die ein autoritäres System anstrebten. Konservative und machthungrige Politiker wie Franz von Papen und dessen Konkurrenten Kurt von Schleicher und auch der Reichspräsident selbst, deren Intrigen und Machtspiele in der Ära der Präsidialkabinette nach 1930 die Deutschen zu immer neuen Urnengängen zwangen, weil klare Mehrheiten fehlten und der Reichspräsident selbst über Notverordnungen regierte und das Parlament faktisch demontierte.

    Der Augenblick, in dem Hitler ins Amt des Reichskanzlers gehoben wurde, war jener Augenblick, an dem er selbst und seine engsten Vertrauten es wohl am wenigsten vermutet hätten. Binnen eines Jahres hatte Hitler nämlich einige Rückschläge hinnehmen müssen. Der Reichspräsident verachtete ihn, der gegen Hindenburg erfolglos um das Präsidentenamt kandidiert hatte. Trotz eines großen Erfolges bei den Reichstagswahlen im Juli 1932 hatte Hindenburg sich geweigert, Hitler zum neuen Reichskanzler zu ernennen. Es war die Endphase der Weimarer Republik, nah an bürgerkriegsähnlichen Zuständen, in der die führenden Politiker um die Zukunft des Staates taktierten – eine Zukunft, die keine parlamentarische sein sollte, wenn es nach dem Willen der Machteliten ging, mit Ausnahme der SPD. Doch die SPD vermochte es nicht, in einer Allianz mit der KPD und den Gewerkschaften etwa durch einen Generalstreik der Arbeiterschaft gegen die konservative Mehrheit vorzugehen. Was ihr die ältere Forschung als Schwäche auslegte, war wohl in der Realität eine Einsicht in die Aussichtslosigkeit. Und die Angst vor Zehntausenden von Opfern.

    Ich hoffe, ich konnte helfen.

    Gruß

    Roswita

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  • vor 1 Jahrzehnt

    Hitler hat durch eine List sich erstmal zum Vize-Kanzler ernennen lassen, mit Hilfe der SA hat er vorher für Unruhe gesorgt und Hindenburg erpresst, die Macht so oder so zu erhalten. Hindenburg hat durch eine weitere Erpressung und den Abtritt des eigentlich vorgesehenen Reichkanzlers Hitler die endgültige Macht zugeteilt, nach dessen Tod hat sich Hitler eigenmächtig zum Führer und Reichskanzler ernennt und nach und nach sein Terrorregime aufgebaut. Die SA hat Hitler als Mittel zum Zweck benutzt und ihnen später Korruption vorgeworfen, viele worden festgenommen und später in Arbeitslage und KZs gesteckt. Zur staatlichen Überwachung fungierte Hitler dann die SS !

    Ich denke auch, dass die Menschen da schon sehr viel Angst vor Hitler hatten (aber auch in gleichzeitiger Verehrung und Bewunderung) ,deshalb war die Wahl natürlich erzwungen und manipuliert worden. Das war natürlich kein Wunder, denn die Menschen hatten ihr Vertrauen auf Hitler gesetzt, wieder Arbeit zu erhalten, da die Wirtschaft im Eimer war und eine immense Inflation entstanden ist !

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  • vor 1 Jahrzehnt

    Ein Teil der Bevölkerung hat getrauert ("Ich kann gar nicht gar nicht soviel essen wie ich kotzen möchte") und ist geflohen, der andere Teil ist bei den Fackelmärschen der NSDAP mitmarschiert.

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