Anonym
Anonym fragte in Politik & VerwaltungRecht & Ethik · vor 1 Jahrzehnt

Wie würdet ihr den § 177 StGB (Sexuelle Nötigung; Vergewaltigung) umschreiben wenn ihr dürftet?

Aktuell:

§ 177

Sexuelle Nötigung; Vergewaltigung(1) Wer eine andere Person

1. mit Gewalt,

2. durch Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben oder

3. unter Ausnutzung einer Lage, in der das Opfer der Einwirkung des Täters schutzlos ausgeliefert ist,

nötigt, sexuelle Handlungen des Täters oder eines Dritten an sich zu dulden oder an dem Täter oder einem Dritten vorzunehmen, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft.

(2) In besonders schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe nicht unter zwei Jahren. Ein besonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn

1. der Täter mit dem Opfer den Beischlaf vollzieht oder ähnliche sexuelle Handlungen an dem Opfer vornimmt oder an sich von ihm vornehmen läßt, die dieses besonders erniedrigen, insbesondere, wenn sie mit einem Eindringen in den Körper verbunden sind (Vergewaltigung), oder

2. die Tat von mehreren gemeinschaftlich begangen wird.

(3) Auf Freiheitsstrafe nicht unter drei Jahren ist zu erkennen, wenn der Täter

1. eine Waffe oder ein anderes gefährliches Werkzeug bei sich führt,

2. sonst ein Werkzeug oder Mittel bei sich führt, um den Widerstand einer anderen Person durch Gewalt oder Drohung mit Gewalt zu verhindern oder zu überwinden, oder

3. das Opfer durch die Tat in die Gefahr einer schweren Gesundheitsschädigung bringt.

(4) Auf Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren ist zu erkennen, wenn der Täter

1. bei der Tat eine Waffe oder ein anderes gefährliches Werkzeug verwendet oder

2. das Opfer

a) bei der Tat körperlich schwer mißhandelt oder

b) durch die Tat in die Gefahr des Todes bringt.

(5) In minder schweren Fällen des Absatzes 1 ist auf Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren, in minder schweren Fällen der Absätze 3 und 4 auf Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren zu erkennen.

Update:

@ChrisP

Du liest das Gesetz falsch.

"Nicht unter..." bedeutet, dass es sich um ein Minimum handelt. Und im schweren Fall wird das Minimum von 2 auf 3 Jahre erhöht. Absolut logisch.

Und du hast richtig getippt: Wenn keine Höchststrafe angegeben ist, ist theoretisch "Lebenslänglich" das höchste Strafmaß. Allerdings sind in der Praxis 10 Jahre in etwa das höchst zu erwartende.

Update 2:

...und ein minderer Fall hat eine Höchststrafe von 10 Jahren anstatt Lebenslänglich. Auch logisch.

4 Antworten

Bewertung
  • vor 1 Jahrzehnt
    Beste Antwort

    Ich würde die Zeitspanne ändern. 2 Jahre für Vergewaltigung ist absolut lächerlich. Genauso wie der Ausdruck "minderschwerer Fall". Keine Vergewaltigung ist ein minderschwerer Fall. Es ist in jedem Fall ein Trauma für das Opfer, ob das nun ein Kind, eine Frau oder auch ein Mann ist.

    Meiner Meinung nach wären 15 Jahre Mindeststrafe und als Höchststrafe lebenslange Sicherungsverwahrung absolut gerechtfertigt, sowohl für Vergewaltiger als auch Kinderschänder.

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  • Anonym
    vor 1 Jahrzehnt

    Also grundsätzlich ist dieser Paragraph einmal nicht interpretierbar und ein-eindeutig. Dieser soll bewusst keinen Spielraum für Interpretationen beinhalten, wegen der besonderen Tat.

    Die Interpretation im Einzelfall allerdings ist etwas anderes und die damit im Zusammenhang stehende Tat und Beurteilung. Das obliegt dann dem Richter oder der entscheidenden Stelle.

    Soll kurz heißen: Der Paragraph ist nicht interpretierbar, lediglich die Tat wird interpretiert und dann dieser Paragraph auf die festgestellte schwere der Tat angewendet!

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  • vor 1 Jahrzehnt

    Also in WIRKLICH SCHWEREN fällen würde ich Lebenslänglich möglich machen. Und bei einer vergewaltigung darf der Täter erst frei gelassen werden wenn ein Gutachten bestätigt das er ungefährlich ist. Bis dahin ->Sicherheitsverwahrung. Auch wenn er schon 20 Jahre gesessen hat.

    Wer zum 2. mal deswegen verurteilt wird bekommt Lebenslänglich mit Sicherheitsverwahrung OHNE entlassungs möglichkeit.

    Aber die besten Gesetze helfen nicht wenn sie nicht genutzt werden. DAS ist das eigentliche Problem in Deutschland. Die Gesetze sind Ok, werden aber nicht vollständig genutzt.

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  • ChrisP
    Lv 6
    vor 1 Jahrzehnt

    Bei mir würde der Abs.5 wegfallen, weil er sich mir logisch nicht erschließt.

    Erst heißt es, wer eine andere Person... nötigt...wird mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft.(PUNKT!!!)

    In Abs. 5 kann mann dann aber doch nur 6 Monate bekommen.

    Ebenso schwachsinnig erscheint mir, für minder schwere Fälle eine Höchststrafe zu definieren, für "normale" Fälle bzw. schwere Fälle aber nicht. Gilt dann lebenslänglich?

    Und wieso kann im minder schweren Fall die Strafe höher sein als im schweren Fall?

    Die Strafe muss doch der Schuld angemessen sein.

    Man stelle sich mal vor, dass das Vergehen in einem minder schweren Fall so "schwer" war, dass 3 Jahre angemessen sind, in einem besonders schweren Fall aber nur 2 Jahre.

    NACHTRAG: Das mag alles stimmen, aber ich finde es trotzdem (zumindest rein sprachlich) herabwürdigend, wenn man neben einer Vergewaltigung und einer "besonders schweren" Vergewaltigung" auch noch relativiert und eine "minder schwere Vergewaltigung" einführt. Das wird dem Opfer nicht gerecht. (Nach dem Motto, das Opfer wurde nur ein bisschen vergewaltigt).

    Über dies verstehe ich nicht, dass eine "minder schwere Vergewaltigung" höher bestraft werden kann, als eine "schwere Vergewaltigung". Welche Kriterien spielen dabei noch eine Rolle, ausser der Schwere der Tat (natürlich Schuldfähigkeit, psychologische Störungen etc.). Aber machen diese einen solchen Unterschied relevant?

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