Ein weiteres Huhn-Ei-Dilemma?

Eventuell wäre diese Frage im Bereich Philosophie besser aufgehoben, sie ist aber auch in religiöser Hinsicht interessant, finde ich.

KANN man etwas (nicht) glauben, weil man es (nicht) glauben WILL oder

WILL man etwas (nicht) glauben, weil man es (nicht) glauben KANN.

Beispiel:

Auf dem Tisch liegt eine Banane.

Mein Freund sagt: Das da auf dem Tisch, das ist eine Tomate.

Das kann und will ich ihm nicht glauben.

Da sich mein Verstand bereits festgelegt hat, dass es eine Banane ist, kann ich mich dann überhauptnoch willentlich für die Tomate entscheiden?

Natürlich "will" ich mich auch nicht für die Tomate entscheiden.

Könnte dieses "nicht wollen" nun auch nur ein Illusion sein, weil ich garnicht "kann", oder treffe ich diese Entscheidung unabhängig davon.

Und umgekehrt: Wenn ich nun glauben wollte, dass es sich um einen Tomate handelt - würde ich das überhaupt wollen können?

Anstatt Banane und Tomate soll man religiöse oder weltanschauliche Standpunkte einsetzen...

Update:

EDIT

@JoinT & Co.

Die Frage, ob es eine Banane ist oder nicht ist eine andere, darauf will ich nicht hinaus.

Es geht mir nicht darum, ob es eine Banane ist oder nicht und auch nicht ob ich es belegen kann, dass es eine ist oder nicht.

Das ist eine Inhaltliche Entscheidung, von der ich an - in meinem Beispiel - annehme, dass sie bereits von meinem Verstand bereits gefällt wurde und ich davon ausgehen muss, dass sie richtig ist.

17 Antworten

Bewertung
  • Anonym
    vor 1 Jahrzehnt
    Beste Antwort

    Bei "Banane und Tomate" ist es das Wissen, das hat man gelernt, für richtig befunden und die Bestätigung dafür auch immer wieder erhalten, bzw. sich selber geliefert, indem man einfach reinbeißt (Banane vorher schälen ^^).

    Religion und Philosophie sind wesentlich abstrakter, Beweise die für jeden jederzeit greifbar und nachvollziehbar sind, gibt es nicht, daher muss man glauben. Wenn man kann und will.

    Es gibt durchaus Menschen, die z. B. nicht an Gott glauben können, aber gerne glauben wollen. Wer das umgekehrte behauptet, macht sich ganz schön selber was vor.

    Daher denke ich, dass in erster Linie die Fähigkeit zu glauben ausschlaggebend ist (entstanden aus Erfahrungen, Prägung ... die Entwicklung der Psyche) und ob man dann glauben will oder nicht (Verstand), ist der nächste Schritt.

    Damit macht man wiederum Erfahrungen und je nachdem, ob diese einem gut tun oder nicht, wird sich auch der Verstand evtl. wieder einschalten und die über die Entscheidung (nicht) zu glauben, wird nochmal nachgedacht.

    Also nicht der Verstand als oberste Instanz, sondern die Psyche.

  • Anonym
    vor 1 Jahrzehnt

    Erstmals vielen Dank für die tolle Frage!

    Aaalso...

    Ich fange mal mit der einfacheren Variante an:

    Kann man etwas glauben, weil man es glauben WILL?

    Die Antwort darauf: Ja, das ist tatsächlich möglich. Würde ich dir hier und jetzt alle exakten Vorgänge erklären, die da im Gehirn ablaufen (und die ich selbst nicht alle kenne, da ich kein studierter Neurologe oder Psychologe bin), würde mein Kommentar kein Ende mehr finden. Deshalb gebe ich dir einfach ein anschauliches Beispiel aus dem Alltag: Nimm ein Glas Wasser, stelle es vor dich auf den Tisch und konzentriere dich etwa fünf Minuten lange. In diesen paar Minuten sollst du sämtliche Konzentration und geistige Energie darauf verwenden, dir immer wieder einzubläuen, dass die Flüssigkeit im Glas kein Wasser, sondern ein anderes Getränk (z.B. Coca Cola) ist. Besonders gut gelingt das Experiment übrigens mit geschlossenen Augen. Sobald du das Gefühl hast, dass du deine innere Vernunft besiegen konntest, nehme das Glas und trinke einen Schluck. Im optimalen Fall wird das Wasser auf deiner Zunge wie Coca Cola schmecken. Im halb-optimalen Fall immerhin wie etwas dazwischen (etwas Undefinierbares). Es geht übrigens auch mit Dingen, die man nicht gern hat. Sagen wir z.B., du fändest im Restaurant braune, kleine Teile zwischen deinen Spaghetti und der Kellner würde dir mehrmals versichern, dass das geröstete Maden sind. In Tat und Wahrheit ist es jedoch ganz normales Rindfleisch (oder irgendwas, was du gern magst). Solche Experimente wurden auch schon auf wissenschaftlicher Basis gemacht. Das Ergebnis: In den allermeisten Fällen lassen sich die menschlichen Sinne und das menschliche Gehirn auf erstaunliche Weise täuschen. Plötzlich widert man sich vor Dingen, bloss weil man GLAUBEN WILL, sie seien etwas, was sie in Wirklichkeit gar nicht sind.

    Die zweite Sache ist umgekehrt nicht ganz so einfach. Doch sie ist psychologisch eigentlich sogar noch spannender: Will man etwas nicht glauben, weil man es nicht glauben KANN?

    Die Antwort darauf:

    Ja, auch das ist möglich.

    Dieses Beispiel erinnert mich an ein Gedicht (besonders einen bestimmten Vers) von Christian Morgenstern. Im Gedicht "Die unmögliche Tatsache" geht es um Morgensterns Figur "Palmström", der von einem Auto angefahren wird und darauf hin stirbt. Im Sarg liegend, also bereits tot, denkt er dann noch einmal über das Geschehene nach und kommt zu der Überzeugung:

    "Und er kommt zu dem Ergebnis:

    Nur ein Traum war das Erlebnis.

    Weil, so schließt er messerscharf -

    nicht sein KANN, was nicht sein DARF."

    Anders ausgedrückt also: Die Tatsache, dass er tot sein soll, ist für Palmström derart schlimm und erschreckend, dass er sich weigert, verstandesmässig einzusehen, dass sie wahr ist. Weil sie für ihn vernunftsmässig nicht sein KANN, WILL er sich auch nicht glauben.

    Auch hier vielleicht noch ein etwas lebensnäheres Beispiel:

    Es gibt ja bekanntlich sehr viele Verschwörungstheorien zu den verschiedensten Themen. Manche sind absolut lächerlich, andere jedoch nur schwer widerlegbar und tatsächlich z.T. furchteinflössend. Sogar für Kopfmenschen wie mich, die normalerweise sehr vernünftig nachdenken. Eine dieser ernsteren Verschwörungstheorien ist z.B. die Geschichte über die Bilderberg-Gruppe. Gerade letzthin hatte ein User hier eine Frage dazu gestellt. Dank dieser Frage fiel mir wieder ein ehemaliger Lehrer von mir ein, der genau an diese Verschwörungstheorie geglaubt hat - und zwar voll und ganz. Kurz gesagt geht es in ihr darum, dass eine relativ kleine Gruppe von ca. 120 Menschen (alles extrem reiche oder sonstwie mächtige Personen) die Welt kontrollieren und quasi die Fäden hinter der Kulisse ziehen. Wenn man das erste Mal von dieser Theorie hört, lacht man nur darüber und vergisst sie wieder. Ich habe mich jedoch länger mit ihr befasst (dieser User letzthin hat auch einen Link zu einer sehr spannende TV-Dokumentation über die Bilderberg-Gruppe unter die Frage gestellt). Und je länger ich mich mit ihr befasste, desto mehr verging mir das anfängliche Lachen. Obwohl manchmal die Behauptungen dieser Verschwörungstheoretiker völlig Sinn zu machen schienen und mir keine guten Beweise dagegen einfielen, hörte ich ständig diese Stimme in meinem Hinterkopf "Nein, nein, das KANN einfach nicht sein!"

    In diesem Moment fiel mir einer der letzten Sätze ein, der mir dieser ehemalige Lehrer einmal gesagt hatte, als wir über dieses Thema diskutiert haben. Aus irgendeinem Grund hat sich mir dieser Satz sehr tief eingeprägt. Und zwar sagte mein Lehrer: "Vernunft ist etwas sehr wichtiges, aber du kannst ihr nicht immer trauen. Manchmal täuscht sie dich auch. Wenn du z.B. erfahren würdest (und man es dir 100% beweisen könnte), dass deine Eltern und deine Geschwister in Wirklichkeit alles grausame, perverse Psychopathen sind, die ein Doppelleben führen, von dem du bisher nichts geahnt hast... das sie sich z.B. nachts aus dem Haus schleichen, kleine Kinder ermorden, verstückeln und auffressen würden - was würdest du dann sagen?? Jeder normale, gesunde Mensch würde in einer solchen Situation natürlich sagen: Das DARF einfach nicht sein!!"

    Und EXAKT DAS ist der Punkt. Es geht darum, dass es Wahrheiten manchmal derart schlimm, unglaublich oder schrecklich tönen, dass man sie vernunftmässig nicht glauben KANN und genau deshalb auch nicht glauben WILL. Mein Lehrer spielte damit natürlich darauf an, dass die Bilderberg-Verschwörungstheoretiker von den allermeisten Menschen ausgelacht werden. Und weshalb werden sie ausgelacht? Weil die Dinge, die sie behaupten einfach viel zu unglaublich schlimm, verstörend, beängstigend sind/wären, sollten sie tatsächlich wahr sein.

    Doch das Beispiel muss nicht unbedingt auf Verschwörungstheorien angewendet werden, es funktioniert auch in vielen anderen Bereichen. Das Prinzip bleibt das Gleiche: Wenn bestimmte Situationen für Menschen einfach unmöglich zu sein scheinen - besonders im negativen Sinn - WEIGERN sie sich WILLENTLICH, zu akzeptieren, dass sie tatsächlich so sind. Weil es nicht so sein DARF, wollen sie um jeden Preis auch nicht daran glauben.

    Im Religiösen Kontext könnte man es zum Beispiel folgendermassen ausdrücken: Religiöse Menschen glauben deshalb an einen Gott, weil die Nicht-Existenz Gottes für sie einfach zu schlimm, zu unerträglich wäre. Die Vorstellung, dass beten nichts bringt, dass es kein Paradies gibt, dass niemand "höheres" da ist, der auf einen aufpasst und an den man die persönlich Selbstverantwortung abdelegieren kann - dass all dies eben nicht so ist, ist für diese Menschen einfach zu unerträglich. Und deshalb sagen sie sich: So etwas DARF nicht sein, deshalb WILL ich auch nicht daran glauben (das geschieht natürlich unbewusst).

    Ja, über dieses Thema könnte man natürlich noch viel mehr schreiben. Wirklich äusserst spannende Angelegenheit.

  • vor 1 Jahrzehnt

    Wenn wir etwas für eine Banane halten, das gelb, lang und gekrümmt ist, dann weil es uns so gelehrt wurde. Diese Information ist gespeichert und bleibt unverändert so im Verstand verankert.

    Selbiges gilt eben auch häufig für Religionen oder Weltanschauungen. Wenn ich Christ oder Muslime bin, habe ich mir diese Religion auch nicht selber erschaffen, ich bin dort hineingewachsen. Bei Konvertiten ist es anders, daher gibt es Möglichkeiten der Weiter- oder Umentwicklung.

    Durch eine Art Gehirnwäsche wäre es vielleicht auch möglich, dem Probanden eine Tomate für eine Banane vorzumachen...

  • vor 1 Jahrzehnt

    Ich bin jetzt bei der Tomaten-Liga!

    Tomaten sind die einzig wahren, wirklich! Also ich bin überzeugt davon. Durch geschickt auf Bananenvertreter abgestimmte Filmchen und Traktate,kann ich dir suggerieren das nur Tomaten wirklich sind, Bananen sind nicht gut für dich, alle Bananen lügen. Glaube nur den Worten der Tomatenliga! Selbstverständlich gehen wir absolut freundlich mit Bananen um, aber insgeheim arbeiten wir gegen Bananen.

    Es dauert etwas aber irgendwann sympatisierst du mit uns Tomatenfans. Das ist ein wichtiger Punkt, jetzt bist du von uns sehr überzeugt, die Banane erscheint dir nicht mehr richtig, dein "Wissen" darüber schwindet wir haben dich indoktriniert und umgepolt.

    Du bist unser!

    Leider passiert dass tagtäglich, scheinbares Wissen wird geschickt umgekrempelt.

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  • vor 1 Jahrzehnt

    aehnliche test habe ich schon hunderte gemacht mit ' nichts' -- um den menschen zu beweisen um was es geht und jetzt meiner erklaerung

    ---

    warum koennen wir denken und fantasieren ? -- natuerlich mit einem beeinflusstem eigenem und fremden einfluss das auf die hirnfunktion somit unfrei belastet mit entsprechenden denk-folgen fuehrt

    ---- ohne funktion der hirns ist dies tod oder noch lebend --- lebend bewiesen oder nicht -- jedenfalls ist es tot oder irrsinnig fuer aerzte-kenntnisse - aber fuer wenige glaeubige nicht ---

    das denken wird somit jedem mensch suggeriert mit - kann (koennen) muessen wollen usw--- das ihm eine (vielfach verklemmte) richtung gibt---die mangels eigener wahrheitfindungs-suche-loesung ihm nicht erlaubt- selbsstaendig zu sein mit denken--- so sind es doch immer nur kopien der beeinflussungen --- mit denen er sich ueberheblich und starr fuehlt als mensch

  • Anonym
    vor 1 Jahrzehnt

    Die Leute glauben, was sie glauben wollen, oder was ihnen befohlen wird, das sie zu glauben haben. Ich denke da nur an das Märchen von der Klimawandelmerkelkatastrophenideologie an die so viele Leute glazben, obwohl diese frei erfunden ist.

  • savage
    Lv 7
    vor 1 Jahrzehnt

    letztendlich hast du deine entscheidung für dich selbst schon getroffen und erwartest nur eine bestätigung für deine beweisführung...kriegst du, du hast recht. es war eine tomate....;-)

  • Mike M
    Lv 7
    vor 1 Jahrzehnt

    @Join/t: Absout richtig, ich glaube bezogen auf einen Gott wäre das Unerfindlichkeit, man weiss es halt nicht

  • vor 1 Jahrzehnt

    Schräge Idee...

    Ich finde, man KANN alles mögliche glauben, WILL aber nur weniges.

    Dass man etwas nicht glauben KANN, ist unwahrscheinlich. Glauben ist letztendlich häufig eine Frage der Definition. Das aufm Tisch ist eine Banane, aber wenn er Legastheniker ist oder so, dann ist es eben eine Tomate, eine Gurke, was auch immer. Wichtig ist nur, dass der Begriff nur einmal gebraucht wird, dann ist's eine einefache Definition, null problem.

    Bei Weltanschauungen denke ich, das man alles mögliche glauben KANN, nur ist es mitunter so extrem unpassend, dass man es nicht WILL. ISt auch gut so, denn die Anschauungen sind schliesslich extreeeem verschieden in der Welt. Wichtig ist, dass sie funktionieren. Etwas zu glauben, was null Relevanz hat, ist etwas nutzlos, nicht? ;)

  • Join/T
    Lv 4
    vor 1 Jahrzehnt

    das problem in deinem beispiel liegt darin dass, dass es vollkommen offensichtlich ist das es eine banane ist und man das ganze auch belegen kann

    bei der frage ob es einen gott gibt, ist dass nicht (obwohl für manche es scheinbar ist^^) offensichtlich, niemand kann beweise liefern für oder gegen die existenz...

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