Anonym
Anonym fragte in SozialwissenschaftSonstiges - Sozialwissenschaft · vor 1 Jahrzehnt

Warum können so viele Erwachsene ihren Kindern gegenüber nicht zugeben, daß sie auch ihre wilde Zeit hatten?

Eltern fordern oft viel (zuviel) von ihren Kindern, gute Noten, erwachsenes Verhalten, Ehrgeiz , Vernunft und und und.

Dabei vergessen viele Erwachsene, daß sie auch mal jung waren, ihre Zeugnisse auch zum Weinen waren, sie selbst von Autorität und Normen genauso viel oder wenig hielten wie die Sprösslinge. Und sie vergessen, ihren Kindern dies auch zu sagen.

Es gibt viel zu oft den erhobenen Zeigefinger.

Also bei uns funktioniert das Zusammenleben mit einem Teeenager viel besser, wenn man ihm auch mal von den Jugendsünden erzählt, die man selbst verbockt hat.

Und wenn man dem Nachwuchs die herrlichen Zeugnisse zeigt. Unsere Erfahrung: man kommt dadurch besser an die Jugendlichen heran, sie kapseln sich dann nicht so ab.

Warum verleugnen wir Erwachsenen oft unsere Jugendsünden dem Nachwuchs gegenüber?

Was meint Ihr?

Update:

Nachtrag:

Ich erinnere mich noch gut, daß meine Eltern immer so taten, als seien sie unfehlbar gewesen, strebsam, fleissig, wohlerzogen etc.. Man kam sich dann als junger Mensch so mangelbehaftet vor.

Ich habs dann bei dem eigenen Leben mit der Erziehung diesbezüglich besser gemacht.

Vielen, die ich kenne, gehts ähnlich wie es mir ging, die hatten auch "perfekte" Eltern.

Und ich kenne leider auch so einige in meinem Alter, die ihren Kindern immer noch erzählen wollen, daß sie keinen Bockmist hinter sich hätten.

Umso erfreulicher zu lesen, daß es immer mehr offene Eltern gibt, wie ich Euren Antworten entnehme.

Update 2:

@gwasanee,

Die Vorbildfunktion muss natürlich bleiben, das ist klar. Und Eltern sind Eltern. Auch klar.

Ich habe allerdings die Erfahrung gemacht, daß es auch hilft, sein kind besser zu verstehen und Bezugsperson zu werden, wenn man auch die wirklich hässlichen Erfahrungen offen zugeben kann. Es muss dann aber auch wirklich für die Erwachsenen Vergangenheit sein und klar als Fehler und schlimme Zeit gewertet sein. Aber eben daraus gelernt und abgehakt.

Und dann ist die Vorbildfunktion für Kinder das, was einem Eltern vorleben. Und zwar JETZT vorleben.

18 Antworten

Bewertung
  • Anonym
    vor 1 Jahrzehnt
    Beste Antwort

    also ich bin auch so erzogen worden, dass ich alles sagen konnte und meine mutter, oder mein vater auch von ihren sünden gebeichtet haben.....

    wir haben bis heute ein super verhältnis und es gibt nichts was meine eltern nicht wissen.

    ich denke bei vielen eltern ist es so, dass sie angst haben dass ihre kinder sich auf der aussage der eltern ausruhen. von wegen "die waren auch nicht besser".......es gibt bestimmt einzelne fälle, aber die meisten würden sich wünschen ihren eltern mehr erzählen zu können, es muss ja nicht alles tolleriert werden, aber es gibt doch nichts schöneres als zu wissen, was das eigene kind so treibt.......

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  • Anonym
    vor 1 Jahrzehnt

    Vielleicht haben sie Angst, dann nicht mehr genügend respektiert zu werden.

    Die Vorbildfunktion könnte angekratzt sein...

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  • vor 1 Jahrzehnt

    Meine Eltern haben es ähnlich gemacht. Leider weichte die Fassade dann recht schnell auf. Mein Vater ist Alkoholiker, meine Mutter konnte damit kaum umgehen und hat eine dpressive Episode entwickelt. Da merkt man dann schnell, dass es mit der Perfektion nicht so weit her ist.

    Wir haben unsere Erziehung nicht an den Status unserer Perfektion geknüpft. Und unsere Tochter kennt auch die "wilden" Teile unserer Vergangenheit recht gut.

    Unsere besten Freunde sind ein Teil davon.

    Das Verheimlichen der wilden Seiten würde auch kaum gehen, weil wir eben immer noch gerne Rockkonzerte besuchen und auch ansonsten nicht das Klischee der braven Eltern erfüllen.

    Dazu gehört eben auch, dass Papa sich einmal jährlich zum North Sea Jazz abseilt und Mama ein paar wilde Tage mit Freundinnen in London verlebt.

    Unsere Tochter trägt es inzwischen mit Fassung (und ein klein wenig stolz ist sie, glaube ich, auch)

    Aber es gehört bei uns eben auch zum guten Ton, irgendetwas ehrenamtlich zu machen und auch die meisten anderen Tugenden (Ehlichkeit, Disziplin, Höflichkeit) werden von uns beinhart eingefordert.

    Nur verrückt sein bringt einen nicht wirklich weiter...

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  • vor 1 Jahrzehnt

    Ich kann das Verhalten verstehen, der Blickwinkel ändert sich einfach mit der Zeit. Dinge bekommen eine andere Gewichtung.

    Außerdem hat man eine Vorbildfunktion. Soll man seinem Kind damit gegenüber treten wie "Macht nichts das habe ich in meiner Jugend auch schon versucht/gemacht" Hmmm...

    Ich denke zu erzählen, dass man selbst mal in einem Fach in der Schule schlecht war, etwas verbockt hat oder von der ersten Liebe ect. - klar. Das ist wichtig und stärkt das Vertrauen.

    Muss man seinem Kind aber alles beichten? Jeden Fehler den man mal gemacht hat? So Allgemein gesprochen Bsp. von Drogen, Selbstmordversuche, Gewalt ... ich denke nicht!

    Eltern sollten Eltern sein und bleiben.

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  • Anonym
    vor 1 Jahrzehnt

    In diesem Falle muss ich dich leider widersprechen. Habe mir die Mühe gemacht, meinen Lebenslauf aufzuschreiben, mit allen guten und weniger guten Ereignissen, Streichen und Vorkommnissen und gab diese Niederschrift frühzeitig an meine Kinder weiter.

    Das Ergebnis: sie sahen ihren Vater plötzlich mit ganz anderen Augen als bisher, also nicht besser oder schlechter als sie selbst sind.

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  • Anais
    Lv 6
    vor 1 Jahrzehnt

    Das kommt auf das Alter der Eltern an. Meine Eltern zum Beispiel sind in einer Zeit groß geworden wo man nichts zu lachen hatte und auch die Gesellschaft nicht so aufgeklärt ist wie heute.

    Kinder der 68er, also meiner Generation können schon erzählen was sie so alles angestellt haben.

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  • Anonym
    vor 1 Jahrzehnt

    Ich habe damit kein Problem. Meine Frau und ich haben unseren Kindern sogar unsere Zeugnisse gezeigt, damit konnten sie sehen das wir auch so unsere Tiefs hatten. Wichtig ist aber das man solche Sachen nicht beschönigt sondern auch die Folgen von Fehlern bespricht. Es ist toll wenn ich meinen Kindern erzählte wie ich als junger Rabauke Fenster einwarf, oder Mädchen aus Eifersucht die Fahrradreifen platt gestochen habe. Welche Strafen das nach sich zog und warum die nicht so drastisch waren wie heute gehörte aber zu den Erzählungen mit dabei, und dass ich nicht alles im Nachhinein gut finde. Obwohl eine Tracht Prügel war eigentlich drastisch genug. Manche Eltern wollen sich auch als fehlerfreies Vorbild darstellen, da darf aber auch kein Makel zu sehen sein. Ich habe bis heute noch kein Anerkennungsverlust bei meinen Kindern bemerken können. und Schuster bleib bei deinen Leisten oder Ehrlich währt am längsten.Auch Wahrheit zeugt von Größe, Lügen haben kurze Beine. Darum sind heute die Kinder immer größer als die Eltern.

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  • Anonym
    vor 1 Jahrzehnt

    Meine Mutter hat nie so getan, als wäre sie in ihrer Jugend ein reines Engelchen gewesen.

    Im Gegenteil:

    Sie ist eine 68erin, hatte daher auch eine entsprechend wilde Zeit nach dem Motto:

    "Wer einmal mit dem Selben pennt..." ;-)

    Ich bin ihr sehr dankbar, dass sie das nicht verleugnet.

    Kommt einfach authentischer rüber und interessant ist's auch!!

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  • hans M
    Lv 5
    vor 1 Jahrzehnt

    Nein, den Schuh ziehe ich mir nicht an.

    Ich verschweige meinen Kids garantiert nicht was ich selber früher so für einen Blödsinn verzapft habe.

    Aber ich habe auch aus einigen Sachen gelernt und versuche eben das meine Kids bevor sie den gleichen Blödsinn anstellen klar zumachen, es eben lassen und nicht das gleiche machen.

    Manchmal ist es sogar gut denen so einiges von einen zu erzählen. Da sie dann bei einigen Sachen von alleine sagen " Ne, sowas hast du gemacht "

    Ich war nämlich garantiert kein Kind von Traurigkeit.

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  • vor 1 Jahrzehnt

    Das liegt daran das wir viel zu viel vergessen haben aus unserer Jugendzeit und einfach nicht mehr Gutheisen wollen was man so alles getrieben hat..

    Aber mit etwas gutem Willen kann man sich daran wieder erinnern

    *schwelg*

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  • Anonym
    vor 1 Jahrzehnt

    Weil sie wissen, dass ihre Kinder zu ihnen hinaufblicken (zumindest erhoffen sie sich das) und sich aber ihre Kinder in ihren Augen falsch verhalten.

    Dass sie sich aber meist selbst so verhalten haben koennen sie deshlab nicht zugeben, weil sie dann Angst haben ihre "Stellung" zu verlieren und von ihren Kinder nich ernst genommen zu werden, wenn sie sagen, dass sie sich selbst mal so verhalten haben.

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