irmela_p fragte in SozialwissenschaftSoziologie · vor 1 Jahrzehnt

Was genau ist ein Bedenkenträger?

Bist du einer oder kennst du einen?

6 Antworten

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  • ?
    Lv 7
    vor 1 Jahrzehnt
    Beste Antwort

    Wenn die wichtigste Person in einem Unternehmen der Vorstand, der Geschäftsführer, der Inhaber ist, wer ist dann die zweitwichtigste? Der Vertriebsleiter? Der kaufmännische Leiter? Die Sekretärin des Vorstands? Oder gar der Betriebsratsvorsitzende?

    Nein: Die zweitwichtigste Person in einem Unternehmen ist der Bedenkenträger. Der Unterschied zur Politik besteht darin, dass der Bedenkenträger im Unternehmen der Regierung angehört oder zumindest dasselbe Parteibuch besitzt.

    Bekanntlich hat der Bedenkenträger ein ganz schlechtes Image, es liegt ungefähr mit dem des Erbsenzählers auf einer Stufe (allerdings steigt das Ansehen guter Erbsenzähler in diesen harten Zeiten rapide an). Üblicherweise ist das Wort "Bedenkenträger" ja keine neutrale und emotionslose Bezeichnung, sondern eine Beschimpfung und eine Beleidigung.

    Wer von einem anderen sagt, er sei ein Bedenkenträger, drückt damit aus, dass er nicht viel von ihm hält. Diese Diskreditierung des Bedenkenträgers ist ungerecht, kleingeistig und dumm.

    Der Bedenkenträger ist wichtig, und zwar für den Erfolg der Firma. Warum?

    Weil sein wesentlicher Job darin besteht, Fehlentscheidungen zu vermeiden. Der Bedenkenträger ist in einem Unternehmen derjenige, der die Courage hat, dem Chef Contra zu geben. Der die Entscheidungen des Chefs in Frage stellt. Der dazu mahnt, die Sache, um die es geht, auch von der anderen Seite zu betrachten, und dies dann auch tut. Der Bedenkenträger ist der, der schlicht und ergreifend "zu Bedenken gibt", der also Argumente ins Feld führt, die zu beachten sind, bevor eine Entscheidung getroffen wird.

    Wichtig: Der Bedenkenträger ist nicht zu verwechseln mit dem Miesmacher und dem Pessimisten. Mit denen hat der Bedenkenträger nichts gemein, nur das schlechte Image.

  • vor 1 Jahrzehnt

    Einer der drei typischen Charaktere, wie sie in der Praxis bei der Projektarbeit vorkommen: der 'Macher', der 'Bedenkenträger' und der 'Erfahrungsträger'.

    Während sich der Durchschnittsamerikaner mit Neuerungen recht leicht tut, scheint es eine deutsche Eigenschaft zu sein, erst einmal "Bedenken" vorzubringen.

    Bedenkenträger verzögern und erschweren (notwendige) Veränderungen. Dies ist letztlich auch ein Standortnachteil. Da muss man sich nicht wundern, wenn man in Deutschland Trends und Entwicklungen hinterherläuft, anstatt mal eine Vorreiterrolle zu übernehmen.

    Auch die Politik zeigt uns, dass man sich in Grund und Boden diskutieren kann, und notwendige Reformen zu Reförmchen verkommen. Nicht umsonst war das Wort des Jahres 1997 "Reformstau".

    Friedrich Schiller sagte in Wilhelm Tell: "Wer gar zu viel bedenkt, wird wenig leisten.".

    Noch ein Zitat von Kurt Tucholski: "Wenn einer nichts hat - Bedenken hat er."

  • vor 1 Jahrzehnt

    Ich finde manches Bedenklich aber sei's drum: In der bürgerlichen Gesellschaft ist die Arbeitsteilung totalisiert, dies vor allem weil das Aggregat der toten Arbeit im ständigen Wachstum begriffen und dem Einzelnen nur eine immer weitere Spezialisierung prozessbedingt aufgedrängt wird. Damit kann der Einzelne nicht mehr selber alles Bedenken, sondern ist auf professionelle Träger der Bedenklichkeit angewiesen. Diese Bedenkenträger ist natürlich, wie jeder andere auch in der heutigen Gesellschaft, ein Fachidiot. Weil er keine Übersicht mehr über den universalisierten und globalisierten Gesamtprozess haben kann. Daraus entstehen dann unliebsame Friktionen im Gesamtprozess der Entfaltung neuer produktiver Potenzen, die Tatsächlich dem Ende der kapitalistischen Ära entgegenstehen. In diesem Sinne begreife ich mich selbst als fachidiotischen Bedenkenträger. Der zwar theoretisch das Ende der Moderne will, ihm aber praktisch im Wege steht.

  • Anonym
    vor 1 Jahrzehnt

    Ich bin keiner, aber das sind Menschen die immer wieder glauben dass etwas nicht funktioniert, klappen wird oder aber kaputt geht. Im Grunde sind es die notorischen Schwarzseher. Die denken nicht das mal was gut gehen könnte.

    Gruß

    Franky

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  • vor 1 Jahrzehnt

    Bedenkenträger

    Bezeichnung

    für jemanden, der ständig alles anzweifelt, unnötiger Weise hinterfragt, es ausdiskutieren und keine Entscheidung treffen will, sich in den Vordergrund spielt, aber auch:

    Alarmisten, die, wenn sie ihre Aufgabe ernst nehmen, wichtig für Politik und Wirtschaft sind und geplante Vorhaben auf Herz und Nieren (Vor- und Nachteile, Kosten, machbar oder nicht etc.) prüfen.

    Nein, ich bin keiner.

    Obwohl ich privat wie auch geschäftlich schon wichtige Entscheidungen vorher analysiere, prüfe und abwäge.

    Kennen? -

    Ja, unseren Controller (ist aber seine Aufgabe).

    Und einen Netzwerkmanager, der gegen alles Bedenken hat was nicht von ihm kommt...

  • aeneas
    Lv 7
    vor 1 Jahrzehnt

    Jemand, der gegen alles und jedermann Bedenken hat.

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