Jo Lee
Lv 7
Jo Lee fragte in Kunst & GeisteswissenschaftPhilosophie · vor 1 Jahrzehnt

Was bedeutet der Satz von Rene Descartes "Cogito ergo sum" und was ist, wenn ich gerade NICHT denke?

Update:

Ich hatte nicht gedacht, so viele gute Antworten zu erhalten und habe nun die Qual der Wahl, die B.A. zu küren: Deus ex Machina, Hiram, woko 51 Marcellus oder kovkol, der große Weisheiten in einem Satz zusammenfassen kann? Lasst mich noch etwas nachdenken (-da habe ich mehr Chancen zu "sein"), ich werde zu einem Ergebnis kommen. Danke schon mal für eure Antworten!

13 Antworten

Bewertung
  • vor 1 Jahrzehnt
    Beste Antwort

    Vor einer Woche habe ich eine ähnliche Frage schon einmal beantwortet, und da ich zu faul bin, dasselbe wieder und noch einmal anders zu sagen, zunächst eine Kopie des von mir Dargebrachten und danach gehe ich auf die Frage ein, was sei, wenn du gerade nicht denkst.

    Man muß den Satz so verstehen, wie Descartes ihn auch gemeint hat; er lautet vollständig: "Dubito, cogito, ergo sum." - "Ich zweifle, ich denke, also bin ich."

    Alles, was nicht klar und deutlich einsichtig ist, kann laut Descartes in Zweifel gezogen werden. Ein böser Geist kann mich nun ständig täuschen, so daß ich sogar daran zweifeln könnte, gerade vor dem Laptop zu sitzen und meine Finger über die Tastatur zu bewegen. Aber dieser böse Geist könnte es nie zuwege bringen, daß ich daran zweifeln könnte, daß ich gerade zweifle (und infolge dessen existiere).

    Denn solange ich an irgendetwas zweifle, bin ich in einem Denkzustand ("modus cogitandi"), und wenn etwas in einem Denkzustand ist, dann existiert es auch (erst einmal ganz unabhängig, wie es existiert, ob als Mensch, reines mentales Wesen oder Computerprogramm ...)

    D.h. genauer: Sofern ich zweifle, habe ich einen Gedanken (bin in einem Denkzustand), und sofern es einen Denkzustand gibt, gibt es etwas, das diesen Denkzustand hat (wir nennen es "ich"). Dieser Denkzustand gehört für. Descartes zur "res cogitans" (der Sache, die Denkzustände hat), einer von ihm angenommenen Substanz neben der res extensa (der ausgedehnten Außenwelt).

    Wenn ich also zweifle und insofern mich in einem Denkzustand befinde, kann es unmöglich sein, daß ich nichts bin - sondern ich bin zumindest eine res cogitans (ich bin zumindest ein denkendes Ding). Und das ist die Descartsche Gewißheit der Existenz dessen, was wir vielleicht heute Bewußtsein nennen würden.

    (Natürlich hat Descartes nicht daran gezweifelt, daß er an etwas gezweifelt hat - wie wäre das wohl auch möglich? Z.B. ich zweifle, daß heute morgen die Sonne aufgegangen ist; aber nun zweifle ich daran, daß ich daran zweifle, daß heute morgen die Sonne aufgegangen ist? Würde der Zweifel am Zweifel Sinn machen? (Sicher ist, daß der Zweifel am Zweifel zur Verzweiflung führt.))

    Und nun zur Frage, was sei, wenn du gerade nicht denkst, du also keinen Gedankenzustand hast. Sofern dies überhaupt vorstellbar ist, müßte man dann konstatieren: Wenn du keinen Gedankenzustand hast, kann dich nichts in die Gewißheit versetzen, daß du existierst. - Du könntest existieren, und zwar wie ein Stein, der nichts von sich selbst weiß. (Aber wie gesagt: Es ist schwer vorstellbar, daß ein Mensch so existiert, weil es schwer vorstellbar ist, wie es sein könnte, als Stein zu existieren. Und daß es schwer vorstellbar ist, zeigt ja schon, daß da ein Gedanke ist - dieser Gedanke mag mich täuschen oder nicht, d.h. er mag mir etwas zeigen, was zutrifft oder wovon ich zweifle, daß es zutrifft ... ich bin. - Was bin ich? - Ich glaube, ich sagte es bereits: Ein denkendes Etwas ("res cogitans").)

  • vor 1 Jahrzehnt

    Dieser Satz wird oft dahingehend interpretiert, dass der Mensch nur existiert, weil er denkt. Das aber hat Descartes durchaus nicht sagen wollen.

    Descartes hat an seiner eigenen Existenz und der seiner Umwelt gezweifelt. Er hat geargwöhnt, dass ihm das alles irgendein böswilliger Gott nur vorspielt. Dann aber hat er überlegt, dass seine eigenen Zweifel, sein Nachdenken, sein Denken nicht von irgend jemandem vorgespielt sein können, dass sein Denken also tatsächlich existiert - und damit auch er selbst. "Je pense, donc je sius (Cogito, ergo sum)" . Auf dieser Erkenntnis hat er dann seine Philosophie aufgebaut.

    Quelle(n): Philosophie-Studium
  • vor 1 Jahrzehnt

    Ich denke, also bin ich.

    Und wenn du es schaffen solltest an wirklich gar nichts zu denken, Hut ab. Da muss man schon lange für meditieren ;-)!

  • kovkol
    Lv 4
    vor 1 Jahrzehnt

    das bedeutet, dass descartes den menschen/das selbst über vernunft und intellekt definiert.

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  • woko51
    Lv 6
    vor 1 Jahrzehnt

    er benutzt ja das einfache Präsens, und nicht die Verlaufsform (gibt es die in Latein überhaupt? - ach so er hat es ja auf Französisch gesagt... hmmm

    gibt's in Französisch eine? Ich hab's glatt vergessen...

    Aber selbst in Englisch gäbe es keine für DENKEN an sich

    Man könnte daraus folgern, dass er gemeint haben könnte, wenn man gerade denkt. Ich dachte immer, er meinte, weil der Mensch, also auch er selbst, prinzipiell denken kann

    Da der Original Ausspruch allerdings geheißen haben soll: Dubito, ergo cogito, ergo sum ("I doubt, therefore I think, therefore I am"), denke ich jetzt, dass es sich auf die Augenblicke des Zweifelns und des Denkens bezieht. Insofern ist die Frage keine Scherzfrage, sondern berechtigt.

    Die Antwort: Ich weiß es nicht. Man ist nach seiner Definition dann wohl eher nicht. Aber letztlich spricht das ja nur für das Denken. Und das sollte man ohnehin so oft wie möglich tun. Man tut sich - und anderen - einen großen Gefallen damit.

    Eine konträre Meinung dazu entsteht natürlich aus der Tatsache, dass der denkende Mensch die Erde ruiniert.

  • vor 1 Jahrzehnt

    Da s Gefühl, daß man ist, ergibt sich aus der Erfahrung des Denkens.

    Wenn man gerdae nicht denkt, kann man sich darin erinnern, gedacht zu haben und weiß daher immer noch,daß man ist.

  • vor 1 Jahrzehnt

    Ich halte es mit Schiller, der u.a. diesen Satz erweiterte:

    "Oft schon war ich, und hab wirklich an gar nichts gedacht!"

    :-))))

  • vor 1 Jahrzehnt

    Black out. :), Koma, finster, Gegenfrage kannst du bewusst, oder unbewusst nicht denken. Ich habe da eine Automatikvorrichtung eingebaut.

    Ich seh was, schon denk ich, du sagst was schon antworte ich.

    Übrigens kennst du den Satz, wer immer und überall seinen Senf drauf gibt, kommt in Verdacht ein Würstel zu sein? Das bin ich, Gruß Wursti. (§:))

  • vor 1 Jahrzehnt

    Oh, da denk ich: wenn du nicht denkst, dann schläfst du (in der schlafwagengesellschaft der bunnnesdeutschen realidaet - satt u selbstgefaellig;) ). im besseren falle schlaefst du gerade real und traumlos---- cogito ergo sum: ICH denke -- also BIN ich;

    ist wohl die aufforderung zum gebrauch der reinen vernunft; statt "für-wahr-halten" oder glauben, was pfaffen, politiker und herren sagen...statt dogmen oder geldargumente gelten zu lassen ;)

    Je pense, donc je SUIS - descartes kannte allerdings noch nicht den psychischen apparat mit ich, ES und überich, wodurch ja noch der blick geweitet wird auf das kollektive unterbewusste - mais quand-même hatte er vorausschauend und logisch geschlussfolgert, dass der mensch zum philosofieren geeignet ist.... Und der Zweifel , der Zweifel - das ist ein lustiger Deifel ;) bonne nuit !

    nachsatz:

    "Und wenn du es schaffen solltest an wirklich gar nichts zu denken, Hut ab. Da muss man schon lange für

    meditieren ;-)!"

    kalliope hat da auf einen wichtigen punkt hingewiesen, siehe "innerer dialog" rattrattratt....

    Quelle(n): Lebensfreude
  • vor 1 Jahrzehnt

    Dann läßte das "g" von Cogito weg.....

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