Was ist typisch für die Epoche des Expressionismus?

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  • Anonym
    vor 1 Jahrzehnt
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    1. Wortbedeutung

    Von lat. "expressio" = Ausdruck; 1911 anlässlich einer Ausstellung in Berlin zur Bezeichnung der Bilder junger französischer Maler gebraucht; von dem Schriftsteller Kurt Hiller auf junge Dichter der damaligen Zeit übertragen. Expressionismus im literarischen Sinn bedeutet Ausdruckskunst, mit Hilfe derer innerlich gesehene Wahrheiten und Erlebnisse im Sinne der Moderne dargestellt werden.

    2. Weltanschaulicher Anspruch

    Am Vorabend des Ersten Weltkrieges waren immer mehr Künstler mit ihrer Zeit unzufrieden und ahnten die nahe Katastrophe. Man

    "fühlte immer deutlicher die Unmöglichkeit einer Menschheit, die sich ganz und gar abhängig gemacht hatte von ihrer eigenen Schöpfung, von ihrer Wissenschaft, von Technik, Statistik, Handel und Industrie, von einer erstarrten Gemeinschaftsordnung, bourgeoisen und konventionellen Bräuchen. Diese Erkenntnis bedeutete zugleich de Beginn des Kampfes gegen die Zeit und die Realität. (...) Aus den Ausbrüchen der Verfluchung (der Zeit) brachen die Schreie und Aufforderungen zur Empörung, zur Entscheidung, zur Rechenschaft, zur Erneuerung..., um durch die Empörung das Vernichtende und Vernichtete ganz zu vernichten, so dass Heilendes sich entfalten konnte. Aufrufe zum Zusammenschluß der Jugend, zum Aufbruch einer geistigen Phalanx ertönten; (...) Und so gemeinsam und wild aus diesen Dichtern Klage, Verzweiflung, Aufruhr aufgedonnert war, so einig und eindringlich posaunten sie in ihren Gesängen Menschlichkeit, Güte, Gerechtigkeit, Kameradschaft, Menschenliebe aller zu allen."

    Kurt Pinthus, Zuvor, in: Theorie des Expressionismus, hrg. von Otto F. Best, Stuttgart 1976, S. 86 f.

    Die Expressionisten, die davon überzeugt waren, dass die Entwicklung der Menscheit chaotisch verlaufen und die Welt amoralisch war, wollten also die Kunst wieder in den Dienst einer Sache stellen. Mit Hilfe der Kunst sollten die Menschen verändert werden, um eine neue Welt hervorzubringen.

    3. Problematik

    Bei den Expressionisten blieben die Ziele ihrer Bewegung sehr allgemein (s.o.). Man machte sich wenig Gedanken darüber, wie diese Ziele konkret zu verwirklichen seien. Stattdessen feierte man die Opferbereitschaft, die Begeisterung, das Engagement an sich; man machte sie zu eigenständigen Werten, an denen man sich berauschte, ohne zu fragen, auf welche Ziele sie denn bezogen werden sollten.

    Es war den Expressionisten meist gleichgültig, in welchem Sinne sich etwas änderte, was zu tun war; Hauptsache für sie war, dass überhaupt etwas geschah, dass man etwas tat (Aktivismus). Die Folge davon war z.B., dass ein und dieselben Künstler sich nacheinander sowohl für den Nationalsozialismus als auch den Kommunismus engagierten oder dass man den Ersten Weltkrieg als ersehnte Veränderung begrüßte.

    4. Merkmale expressionistischer Literatur

    Der Expressionismus ist daher nicht wegen seines weltanschaulichen Anspruchs bedeutsam. Von Bedeutung ist vielmehr vor allem die expressionistische Literatur dieser Zeit, da sich in ihr die Abkehr von traditionellen und die Hinwendung zu den neuen Formen und Themen der Moderne vollzog.

    Die Sprache des Expressionismus ist nicht einheitlich. Sie ist ekstatisch übersteigert, metaphorisch, symbolistisch überhöht und versucht, die traditionelle Bildungssprache zu zerstören. Sie betont die Ausdrucksfähigkeit und Rhythmen, die fließen, hämmern oder stauen können. Sprachverknappung, Ausfall der Füllwörter, Artikel und Präpositionen, Worthäufung, nominale Wortballungen, Betonung des Verses, Wortneubildung und neue Syntaxformung sind typisch expressionistische Stilmerkmale

  • vor 1 Jahrzehnt

    ImVordergrund des Expressionismus, der vorwiegend ca 1900- 1925 in Deutschland entstand, steht das Gefühl , das Empfinden des Malers für Farbe , Form und Inhalt, nicht die originale Abbildung der Gegenstände.

  • vor 1 Jahrzehnt

    Die Epoche des Expressionismus begann ungefähr im Jahre 1905, unter anderem als Folge auf den Impressionismus, und dauerte bis ca. 1925 an. Ihr Ausgangspunkt war der Realismus, welcher sich hauptsächlich auf die Wirklichkeit von Dingen konzentrierte und sich von Übernatürlichem abgrenzte. Der Name, des im Deutschen Kaiserreich entstandenen Kunststils, stammt vom lateinischen Wort „expressio“ (Ausdruck). Expressionismus war ein Bruch mit der damaligen, traditionellen Ästhetik und bisherigen Ausdrucksmitteln, der sich gegen die bürgerlichen Gesellschaftsnormen, Ausgewogenheit und Anpassung stellte. Mit ihm versuchten die Künstler möglichst effektvolle, deutliche und rücksichtslose Aussagen an die Welt zu bringen.

    Der Expressionismus war sehr weltoffen und spiegelte u.a. den Glauben an eine freiere, menschliche Gesellschaft in sich wieder. Da wohl keine andere Epoche so vielseitig war, weigerten sich die Künstler auch einen eindeutigen Charakter oder Leitgedanken für den Expressionismus festzulegen. Expressionistische Kunstwerke waren kontrastreich und kreativ und voller Leidenschaft. Des weiteren wurden die Expressionisten auch von Siegmund Freuds Psychoanalyse in ihrem Tun beeinflusst.

    Seit dem erstem Weltkrieg (1914-1918) wurde ein deutlicher Umschwung im Expressionismus bemerkbar. Statt dem Ausdruck von Lebensfreude wurden nun mehr Themen wie Tod, Trauer und Schmerz behandelt.

    Nur wenig später erweiterte sich der Expressionismus auf die musikalische Ebene. Man hatte ein ganz neues Bewusstsein für harmonische Klänge und abgesehen davon, dass ein Stilpluralismus der Musik bestand, wurden viele Suiten, Opern und Konzerte in „unveränderter“ Form gespielt. Es gab jedoch zu dieser Zeit viele verschiedene Auffassungen von dem Begriff „Musik“ und so kam es zu Uneinigkeiten zwischen Musikern, Musikwissenschaftlern und Publikum. Schon in der Spätromantik waren erste Merkmale von expressionistischer Musik bemerkbar.

    Der Expressionismus zertrümmerte und ignorierte alte Gesetze und Formen der Musik. Auf „Wohlklang und Melodie“ in der Tonsprache wurde verzichtet, was zusätzlich zur Verzerrung der damaligen ästhetischen Normen führte. Da es keine wirkliche Richtlinie für diesen Stil gab, komponierten die Musiker sehr individuelle und experimentelle Werke, welche sich von Mal zu Mal unterschieden.

    Typische Merkmale für expressionistische Musik waren harte Klänge, kalte Töne, die freie Rhythmik, ungewohnte Lagen der Instrumente, die Zwölftontechnik und der Ausbruch aus den in der Harmonielehre bisherig geltenden „Spielregeln“. Das wohl wichtigste Merkmal, jedoch war die totale Aufgabe der Tonalität, wodurch eine Beziehung zum Grundton vollkommen verloren ging. Ein wichtiges, charakteristisches Merkmal der sogenannten Atonalität war die Emanzipation der Dissonanz.

    .... Ich hoffe ich konnte damit weiter helfen :-)

    Gruß, Schneckenmutti

  • vor 1 Jahrzehnt

    Naja, also so wie ich das im Kunstunterricht verstanden habe, wollten die Maler die Dinge nicht in ihrer flüchtigen Erscheinung fetshalten, sondern ihre emotiolnale Wirkung.

    Besondere Kennzeichen des Expresionissmus waren: ausdrucksstarke Liniensprache, kontrastreiche Farben, großflächiger Farbauftrag ohne Modellierung, Vernachlässigung des zentralperspektivischen Raums. Die Maler haben glaube ich auch andere Farben benutzt als die Farbe, die die Dinge wirklich hatten.

    Quelle(n): musste ich mal für eine Arbeit lernen
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