Könnten Menschen eigentlich auch Denken, wenn sie nicht sprechen könnten?

Könnten Sie ohne Sprache ihre Gedanken austauschen? Benötigen wir das Wort Apfel, um einen Apfel zu denken?

Update:

Beachtet bitte die Kategorie, es ist eine grundsätzliche philosophische Frage...

28 Antworten

Bewertung
  • vor 1 Jahrzehnt
    Beste Antwort

    Ich habe mal ein wenig in meinen Bücherregalen gestöbert und folgendes gefunden:

    Denken ist ein zielgerichteter innerer Prozeß, der von außen nicht wahrnehmbar ist. Er dient dem Problemlösen, der informationsverarbeitung und dem Anpassen an reale Sachverhalte. Durch inneres "Probehandeln" werden die Folgen einer Aktivität im Vorhinein abgeschätzt. Während des Denkens werden Reize, Ereignisse und Erfahrungen in Begriffe eingeordnet. Begriffe sind die Voraussetzung für Denkprozesse. Sie werden auch Konzept oder Schema genannt. Da bereits Kleinkinder über die Fähigkeit zur Schemabildung verfügen, ist davon auszugehen, daß es sich um eine angeborene Fähigkeit handelt. (...) Denken und Sprache: Widersprüchliche Auffassungen bestehen hinsichtlich des Zusammenhangs zwischen Denken und Sprache. Einige Theorien gehen davon aus, daß Denken und Sprechen eine Einheit bilden. Im Behaviorismus wird Denken als "inneres Sprechen" aufgefaßt; Denken stellt demnach nichts anderes dar als Sprechen, allerdings mit dem Unterschied, daß es anderen Personen nicht mitgeteilt wird. Andere Auffassungen sehen das Erkennen als einen intuitiven Prozeß an, bei dem Sprache erst im Nachhinein eine Funktion bekommt, weil sie notwendig ist, um die gewonnenen Erkenntnisse anderen mitzuteilen. Eine dritte These besagt, daß Denken und Sprache zwei völlig getrennte Bereiche darstellen, die sich aber gegenseitig dazu verhelfen, sich weiterentwickeln zu können. (...)

    (Quelle: Großes Wörterbuch der Psychologie)

    Ich bin allerdings persönlich der Meinung, daß man nicht auf Autisten und taubstumme Menschen zurückgreifen sollte, um nun hier zu verkünden, daß man auch ohne Sprache "denkt" und eine (höhere?) "Intelligenz" haben kann, denn solche Menschen wurden seit ihrer Geburt eben von Sprechenden erzogen, geführt und geleitet, so daß sie sich selbstverständlich entweder nahezu oder eben gänzlich "normal" entwickeln konnten.

    Was nun aber wäre, wenn die Menschheit nie eine Sprache entwickelt hätte, kann ich nur mutmaßen: Diese Menschheit wäre - da sie eben keine Begriffe einer Sprache hätte - in ihrem Denken wohl ziemlich prälogisch oder auch nur instinktiv (wie ein Tier eben).

    LG

    Chrissen

  • Gabi
    Lv 6
    vor 1 Jahrzehnt

    klar koennen sie, du hast das beispiel mit dem apfel doch schon gebracht....kein spanier denkt apfel wenn er einen manzana meint, und trotzdem hat er die selbe vorstellung von : saftig, gruen, lecker wie der deutsche wenn er an einen apfel denkt....ich war letzten monat fuer 4 tage in marokko bei der mutter vom freund meiner tochter. sie spricht weder englisch,deutsch , spanisch oder franzoesisch...ich logischerweise kein arabisch. wie haben uns 4 tage mit haenden und fuessen unterhalten, es war der tollste urlaub seit langem. ich glaube jeder der mit dem herzen spricht(gott, wie kitschig) kann sich auch verstaendigen.l.g.

  • Anonym
    vor 1 Jahrzehnt

    Ja, aber sie könnten es nicht in Worte fassen. Gehörlose können ja auch denken. Viele allerdings nicht sprechen und halt auch nicht die Sprache hören. Es soll aber dennoch ein paar Cleverle darunter geben. ;-)

    Falls du die Frage generell meintest, also ob die Menschen sich so entwickelt hätten, wenn es die Sprache nicht gegeben hätte, kann man natürlich nicht genau sagen. Es ist aber wahrscheinlich, dass ein anderes Kommunikationsmittel gefunden worden wäre. Vielleicht die Gebärdensprache oder die Telepathie? Wer weiß es schon.

  • Anonym
    vor 1 Jahrzehnt

    Ich denke schon, Objekte, Ereignisse etc. würden dann bloss nicht unter einem Begriff sondern unter dem jeweiligen Sinneseindruck im Gehirn gespeichert... Wir würden uns vermutlich nicht "Apfel" denken sondern uns an das Bild erinnern, an den Geschmack usw...

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  • Anonym
    vor 1 Jahrzehnt

    Ich denke, dass das geht.

    Knippst man mal das Sprachzentrum im Gehirn aus, kann man sehr wohl noch denken. Man denkt den Apfel, kann das Wort aber nicht aussprechen. Man kann ihn mit Händen und Füßen und... erklären, oder sogar auf die gezielte Frage danach nicken oder den Kopf schütteln, kein Problem.

    @ Feelflows: Dann schreib das doch gleich rein mit der Philosophie und so, ich gucke z.B. nie darauf, aus welcher Kategorie die Frage stammt. Bisschen ärgerlich.

    Quelle(n): eigene Erfahrung, nach einem Unfall konnte ich nicht sprechen und schreiben, aber sehr wohl ganz klar denken. Jetzt geht alles wieder (und ich will jetzt keine Witze darüber hören, dass es nicht so sei :-)) )
  • Anne
    Lv 7
    vor 1 Jahrzehnt

    Ich denke, also bin ich. Stumme Menschen können sehr wohl ausgezeicht denken.

  • wolf
    Lv 6
    vor 1 Jahrzehnt

    Ohne Sprache können wir keine Gedanken austauschen! Natürlich muss es nicht die deutsche Sprache sein, auch nicht akustisch, kann auch die Zeichensprache sein.

    Das gleiche gilt für das Denken. Vielleicht sollte Frage lauten: Was war zuerst da? Das Denken oder das Sprechen?

  • vor 1 Jahrzehnt

    Freilich ist das möglich. Nur andersherum ist es UNMÖGLICH. Keiner der nicht denken kann, kann sprechen.

  • vor 1 Jahrzehnt

    Wenn du dir Höhlenmalereien ansiehst, kannst du "lesen" , wie das Leben der Bewohner ablief und mit welchen Freuden und Leiden sie ihr Leben verbrachten. Sie können dir heute noch mitteilen, welche Gedanken sie damals bewegten, auch wenn deine Lebensumstände heute komplett und in Nichts zu vergleichen sind.

    Bildersprache eben. Uralt und absolut grenz-und Zeitüberschreitend.

    Oder nimm beispielsweise die Pantomime. Sie funktioniert ohne Laut-Sprache, nutzt dafür aber Gestik und Mimik.

    Du wirst vermutlich nicht jedes einzelne Bild, nicht jeden einzelnen Gedanken vermitteln können, aber grundsätzlich wird das funktionieren.

  • bella
    Lv 7
    vor 1 Jahrzehnt

    Kennst du die Geschichte von

    "Lenfant sauvage" von Francois Truffaut

    Der auf Wirklichkeit beruhende Fall des "Wolfsjungen", der in den Wäldern Frankreichs im Alter von etwa 12 Jahren gefundene Junge, der aufgewachsen ist bei Wölfen oder Hunden.

    Man hatte u.a. vergeblich versucht, dem Jungen Sprache beizubringen.

    Inwiefern dem Jungen trotzdem "sinnvolles Handeln" attestiert wurde, ist mir nicht bekannt.

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