Seine Persönlichkeit kann man verändern, sein Wesen nicht. Heißt in diesem Falle, das, was uns veranlaßt, uns sozial inkompatibel zu verhalten, wird natürlich immer noch in uns sein, aber was wir daraus machen und wie wir damit umgehen, können wir beeinflussen.
Wenn jemand sich sozial inkompatibel verhält, liegt dem meistens eine große Unsicherheit zugrunde. Der Mensch will sich abgrenzen, ist sich seiner Rolle unsicher und glaubt, er könne sich selbst darüber definieren, daß er auf Konventionen pfeift. Gleichzeitig wird er aufgrund seines Verhaltens von seiner Umwelt zurückgestoßen und findet darin nur Bestätigung, unverstanden zu sein.
Hier ist es der Wunsch nach Individualität und Sicherheit, der so jemanden veranlaßt, Dinge zu tun, die der Großteil der Menschheit als unmöglich empfindet. Wenn man sich seiner Beweggründe bewußt wird und an seiner Unsicherheit arbeitet, kann man das, was in einem ist und auch bleiben soll und wird, positiv umsetzen: Indem man lernt, sich selbst zu definieren, ohne es nötig zu haben, den Rebell heraushängen zu lassen.
Normalerweise ist das ein Prozeß, der ganz selbstverständlich und von den Meisten unbemerkt im Teenager- und Jungen Erwachsenenalter abläuft.
So geht es mit ganz vielen Wesenszügen, die wir nach außen tragen; wie wir das tun, bleibt uns selbst überlassen. Wenn jemand ganz zu sich selbst steht und auch wirklich keine Veranlassung sieht, sein Verhalten zu ändern, weil er es hundertprozentig unterstreichen kann, sollte er auch sich selbst treu bleiben - muß dann aber mit den Konsequenzen leben.
In diesem Zusammenhang ein kleines Zitat von André Gide, das so gut wie mein Lebensmotto ist:
Es ist besser, für das, was man ist, gehaßt, als für das, was man nicht ist, geliebt zu werden.