Die Frage ist sehr allgemein gehalten. Daher will ich zunächst ebenso vage antworten: Jede Technologie, auch Gentechnologie, kann zur Korrektur von Fehlern und Unvollkommenheiten erlaubt werden, sofern sie den üblichen Vorstellungen von Ethik, Sitte und Moral, den Menschenrechten und den nationalen Gesetzen des Landes nicht widersprechen, in dem sie zur Anwendung kommt.
Soweit der Allgemeinplatz, wohl aus Politkermunde kommen könnte. Zu klären wäre nun, was man unter einem Fehler oder einer Unvollkommenheit versteht.
Ist es ein Fehler (der Natur oder Gottes oder von wem überhaupt?) oder eine Unvollkommenheit, dass Menschen an schweren Krankheiten leiden müssen, z.B. Krebs oder bestimmte Mikroorganismen wie Malaria, TBC oder AIDS? Bejaht man diese Frage, so liegt es nahe, jede Technologie, auch Gentechnologie, zu verwenden, um diese Krankheiten auszurotten. Ich will sogar soweit gehen, dass es erlaubt wäre, ins Erbgut eines geplanten Kindes einzugreifen, wenn ihm solche Erkrankungen erspart blieben. - Bei einer Impfung hat niemand eine wirkliche Hemmung, aber würde von vorneherein das Erbgut eines Menschen so reprogrammiert werden, dass er und alle seine Nachkommen frei von solchen Dingen wären, dann kommen viele Menschen ins Grübeln. Womöglich werden wir irgendwann einmal nur die Wahl haben, durch die Evolution ausgerottet zu werden, oder aber die Evolution selbst in die Hand zu nehmen, um nicht als Art auszusterben.
Wie steht es jedoch z.B. mit einer Erhöhung intellektueller Fähigkeiten, oder der Verbesserung physiologischer Eigenschaften? Wie wäre es nun, wenn man dafür sorgen könnte, dass ein Kind die physischen Leistungen eines Olympiasiegers und die intellektellen eines Nobelpreisträgers erreichen könnte? Ist es ein Fehler oder eine Unvollkommenheit, dass dies nicht jeder kann? Ist die ganz einfach "normal"; oder ist die fehlende Chancengleichheit durch die "falschen" Gene der Eltern ein Fehler, der ausgeglichen werden darf? Ist es nicht sogar die elterliche Pflicht, ihren Kindern Chancen zu eröffenen, die die Eltern selbst nicht hatte? Oder reicht der Grundsatz: Ich habe das nicht gebraucht, mein Kind braucht es auch nicht? - Dazu könnte man sicherlich einen Aufsatz schreiben.
Wie steht es mit Eingriffen bei Tieren, Pflanzen oder Mirkoorganismen? Wir sollten dabei nicht vergessen, dass Insulin heutzutage durch manipulierte Microorganismen erzeugt wird, und zwar für den Patienten wesentlich besser verträglich, als das alte Schweineinsolin. Oder wie wäre es mit Tieren, die nach der Schlachtung nur "gesundes" Fleisch produzieren würden? Pflanzen, die resistent gegen bestimmte Schädlinge sind? Ist es ein Fehler, dass eine Pflanze gegen einen Schädling nicht resistent ist?
Wir sprechen von Eingriffen in die Natur. In diesem Sinne muss gefragt werden: Macht die Natur Fehler? Falls man dies bejaht (und nur dann macht die gestellte Frage Sinn), dann dürfte die evolutionäre Selektion der Fehlerbehebungsmechanismus sein. Greift man nun hier ein, d.h. der Mensch nimmt die Evolution selbst in die Hand, so begreife ich dies als nächste Stufe der Evolution. Ich will also zu meinem ersten Allgemeinplatz zurückkehren und die Frage grundsätzlich für alle Technologien bejahen.