Diese Frage ist ganz eindeutig zu beantworten. Der deutsche Lebensmittelhandel kennt kein anderes Marketinginstrument als den Preis, den Tief- oder Tiefst- oder Dauertiefstpreis. Natürlich sitzen im Handel keine Wohltäter und deshalb fordert der Handel von Bauern, Zwischenhändlern und Herstellern von Lebensmitteln immer noch tieeeefere Preise. Wenn man die heutigen Preise für Milch, Käse, Eier etc. mit dem von vor über 20 Jahren vergleicht, so stellt man fest, dass diese teilweise sogar niedriger sind als damals. Und wie kann das sein? Da die Lebensmittelindustrie auch nicht pleite gehen will, drückt sie ihrerseits die Vorlieferanten, also die Bauern und versucht durch Hinzufügen von erlaubten und unerlaubten Zusätzen z.B. den Wassergehalt in Obst, Gemüse, Käse u.a. zu erhöhen, denn Wasser ist viel billiger als Käse. Selbstverständlich suchen auch die Erzeuger nach Wegen zu überleben. Also wird u.a. mit Wachstumsbeschleunigern (wieso werden unsere Kinder von Generation zu Generation denn immer größer? Und wieso bekommen immer mehr Leute Krebs?) dafür gesorgt, dass die Rohware schneller und größer wächst. Klar, gut aussehen muss sie auch aber dafür muss sie nicht unbedingt schmecken (s. Tomaten, Radieschen u.a.)
Aber zurück zum Handel. Man muss sich einmal vorstellen, der Einkäufer des Handels verhandelt einmal im Jahr im sogenannten Jahresgespräch mit seinen Lieferanten die Konditionen, also Preis und Rabatte und Listungsgebühren und Werbekostenzuschuss und noch weitere Fantasienachlässe. Dafür bekommt der Lieferant allerdings noch lange keinen Auftrag sondern nur die Erlaubnis die Ware zu diesen Konditionen zu liefern. Wenn er die Mengen, die er seinen Preisen zugrunde gelegt hatte dann im Jahr nicht an den Handelskonzern verkauft bekommt, so ist das nicht die Schuld der Handels sondern des Lieferanten. Nein, nein, Nacvhbrechnen darf er natürlich nichts. Ganz im Gegenteil, wenn er nicht noch niederiigere Preise macht wird er ganz ausgelistet.
Und wenn dem Handel gerade eine neue tolle Aktion einfällt - Jubiläum, Neueröffnung oder wieso eigentlich nicht 30% Rabatt weil die Freundin des Geschäftsführers 30 geworden ist? - dann hat der Lieferant gefälligst zu den vereinbarten Konditionen zusätzlich mal 3% oder 5% oder 10% des Vorjahresumsatzes als Aktionsrabatt zu geben. Und da wundern wir uns, dass Lebensmittel so schlecht sind?
Jetzt kann man natürlich sagen: "aber ist doch gut, wenn es billig ist, die sollen halt nur die Qualität halten." Da sag ich nur, wer wäre denn von den Verbrauchern damit zufrieden, wenn er heute das gleiche Gehalt wie 1986 bekäme? Und wenn er, was ja leider auf Grund der Arbeitslage möglich sein kann wirklich so wenig bekommt, leistet er denn dann wirklich Qualitätsarbeit? mal Hand aufs Herz.
Wenn sich unsere, sich mit Millionenbeträgen als Gehalt bedienenden Spitzenmanager des Handels einmal darauf konzentrieren würden, das sie Lebensmittel nach Qualität aussuchen und anbieten und auch bezahlen, dass sie Service leisten (wer bringt denn der Oma die Getränke noch nach Hause?) und sich nicht mit Allem und Jedem messen wollen. Wenn wieder Kompetenz und Verantwortung bei Managern und Beschäftigten eine zentrale Rolle einnehmen, wenn gute Qualität auch gut honoriert und motivierte Beschäftigte gut bezahlt werden (die Beschäftigten im Einzelhandel gehören mit zu den am schlechtest bezahlten Berufen), dann wird sich die Qualität unserer Lebensmittel bessern. Aber bis dahin sind wir schon alle vermodert. Ich könnte kotzen, wenn ich "Geiz ist geil" höre.
Karl aus Düsseldorf