Beste Antwort - Ausgewählt durch Abstimmung
Es ist weder die Kultur des Sehens noch die des Wortes, welche die Realität zunehmend reduziert und simplifiziert. Es ist die Gedankenlosigkeit der Menschen - was unterscheidet den Homo consumens von einer Mülltonne? Die Mülltonne muß man leeren, bevor man sie wieder anfüllen kann. Der Homo consumens leert sich von selbst und erzeugt dadurch wieder neu zu füllenden Platz. Es ist so einfach, im An- und Verkauf sein Lebensglück zu finden, weil man für Geld scheinbar alles erhält und sich nicht so viel Gedanken über den anderen Menschen zu machen braucht (ja, man braucht sich nicht einmal Gedanken darüber zu machen, ob der Betreffende das zu verkaufende Produkt benötigt; sofern er es kauft und bezahlt und dann verschwindet, ist alles in Ordnung; und manche Leute empfinden es heute tatsächlich noch als unhöflich, Nein zu sagen!)
Die Ökonomisierung auch der sozial ausgerichteten Bereiche der Gesellschaft zwecks Kosteneffizienz bestimmt mehr und mehr die gesellschaftliche Realität. Auch Freundschaften, Beziehungen und Ehen kann man kündigen wie ein Abonnement. Die Lockerung der menschlichen Beziehungen macht die Menschen in ihrem Leben noch abhängiger von einem Arbeitsplatz (weil sie ja allein leben und Geld verdienen - "Single-Gesellschaft"), und diese Abhängigkeit macht sie zu mehr oder weniger willfährigen Gehorsam Leistenden gegenüber den Oberen, die die Löhne kürzen und sich selbst satte "Leistungs-"zahlungen zukommen lassen. Und über allem schwebt die Hau-drauf-Keule: "Wenn ihr die Lohnkürzungen nicht hinnehmt, verlagern wir den Standort ins billigere Ausland!"
Da kann ich nur, Nietzsche paraphrasierend, schreiben: Fürchtet euch vor den Zu-Kurz-Gekommenen oder denen, die glauben, sie seien zu kurz gekommen! Denn ihr Ressentiment wird eines Tages wieder in rohe Gewalt umschlagen! - Denn ist es nicht so? Die Tendenz zur Unkultur erzeugt Barbarei.