Indem der Staat die Verantwortung übernimmt, die Religion in ihre Schranken zu weisen und in öffentlichen Institutionen den Menschen den Freiraum lässt, auch eine Welt ohne Religion, doch voller Achtung vor Menschenrechten kennen lernen zu können.
Es hat schon früher funktioniert, wie z.B. in Slowenien, woher ich komme, und es könnte wieder funktionieren. Erst wenn der Mensch mehrere Möglichkeiten der Existenz kennt, kann er wählen, welche Form ihm die meiste Entfaltung bringt. Mit seinem Wissen kann er selber die Religion von innen ändern und sie endlich menschenwürdig gestalten. Oder sie verwerfen, wenn die Machthaber der Religionen nicht einen Teil ihrer Macht abgeben wollen.
Religion müsste ausgeübt werden wie Medizin - nicht wegen des Geldes, sondern aus purer Nächstenliebe.
So wie es keinen Arzt geben dürfte, der seinen Beruf nur wegen Prestige ausübt, dürfte es keinen Priester oder Papst geben, weil er vom Volk durchgefüttert wird.
Und Religion zu verbieten? Wäre das das größte Übel? Ich glaube nicht. Ich glaube, es wäre unsere größte Chance. Es wird immer einen Glauben geben, den Glauben an Arbeit, an Würde, an das Geld, an Macht, an Liebe... Auch den Glauben an Gott, wenn es sein muss.
Wie wäre es mit einem Glauben an die Zukunft und unsere Kinder? Oder an Bildung und Entwicklung unserer Fähigkeit zu kommunizieren, anstatt es anderen, einem Staat und der Religion zu erlauben, für uns zu denken und zu reden?
Der Ansatz ist vielleicht falsch, Menschenrechte und eine steife Tradition in Einklang bringen zu wollen. Menschenrechte sind unsere edelste und neueste Errungenschaft und im völligen Kontrast zu Tradition und der Geschichte der Religion.
Menschenrechte an sich könnten ein Ansatz zu einer neuen guten Idee sein, um den Gedanken aus "Dogma", dem Film, zu zittieren. Keine Religion. Religion ist immer verbunden mit Struktur, und jede Struktur ist in Hierarchie gegliedert und am Anfang dieser Hierarchie steht immer ein Machthaber. Daraus kann nie was Gutes entstehen. Zumindest nicht etwas dauerhaft Gutes.
Ein guter Vorschlag vielleicht?
Für mich funktioniert es, mich nicht mehr damit verrückt zu machen, mir unlösbare Fragen über das Ende des Universums zu stellen. Oder die Geschichte zu beweisen und damit auch die Richtigkeit einer Bibel oder eines Koran.
Viel sinnvoller erscheint es, sich zu fragen, was würde ich gerne tun und wie würde ich es gerne tun, wenn ich frei von Ängsten und Grenzen wäre? Und wenn die einzige Regel, an die ich mich halten sollte, wäre, einem anderen Menschen nicht schaden zu dürfen.
Hier und jetzt und morgen. Was kann ich lernen, wo kann ich arbeiten, wie kann ich mich selber besser ernähren, was denkt mein Partner, sind unsere Wege noch die gleichen...?
Und schließlich - was kann ich für andere tun, da ich selber (hoffentlich) glücklich bin.
Ob Mann und Frau oder Staat und Arbeitnehmer, wir sind alle von einander abhängig.
Religion und seine Gläubigen - auch wenn es da ein Gleichgewicht geben könnte, was könnte die Kirche schon wirklich Tatkräftiges für seine Gläubigen tun?
Ja, Menschen sind schwach und faul, zu oft einfach wie Kinder. Kinder müssen erzogen werden zu denkenden und freien Individuen. Vielleicht müssten wir alle zu unserem Glück ein bisschen gezwungen werden, damit wir uns anstrengen, das Denken nicht anderen zu überlassen.
Doch wer will schon denkende Sklaven?
Ob ich Hoffnung habe, dass sich jemals was ändern wird und ein Staat weise und gütig sein wird? Nicht nur ein Staat, sondern alle? Nein, natürlich nicht.
Doch ich bin eine Kämpferin und werde mein Bestes tun, um ein bisschen zu helfen. Denn es ist ein Wunder, dass ich lebe, dass dieser Körper, den ich besitze, so herrlich funktioniert. Dieses Wunder versuche ich nicht mehr zu verstehen, ich bin einfach nur dankbar und versuche es lebenswert zu gestalten.